Einleitung: Lohnt sich ein Balkonkraftwerk auch bei Nordlage?
Die Idee ist verlockend: eigenen Solarstrom auf dem Balkon erzeugen, die Stromrechnung senken und einen Beitrag leisten. Doch was, wenn Ihr Balkon nicht nach Süden, sondern nach Norden zeigt? Viele Menschen in Miet- oder Eigentumswohnungen stellen sich genau diese berechtigte Frage.
In diesem Artikel vergleichen wir die Wirtschaftlichkeit eines typischen 600-Watt-Balkonkraftwerks auf einem Nordbalkon mit der auf einem optimal ausgerichteten Südbalkon. Wir arbeiten mit realistischen Richtwerten, die Ihnen eine gute Orientierung bieten. Bitte beachten Sie: Die konkreten Werte für Ihren Standort können abweichen – abhängig von lokaler Sonneneinstrahlung, Verschattung, Ihrem Stromtarif und der gewählten Anlage. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Energieberatung.
Was ist ein Balkonkraftwerk und wie funktioniert es?
Ein Balkonkraftwerk, auch Stecker-Solar-Gerät genannt, ist eine Mini-Photovoltaikanlage für den privaten Gebrauch. Es besteht meist aus ein oder zwei Solarmodulen und einem Wechselrichter. Dieser wandelt den erzeugten Gleichstrom in haushaltsüblichen Wechselstrom um. Über einen speziellen Schukostecker oder eine fest installierte Energiesteckdose wird der Strom direkt in Ihren Haushaltsstromkreis eingespeist.
Der große Vorteil: Der selbst erzeugte Strom wird sofort von den gerade aktiven Geräten in Ihrer Wohnung verbraucht – sei es der Kühlschrank, der WLAN-Router oder die Ladung Ihres Laptops. Dadurch reduzieren Sie direkt den Strombezug aus dem Netz und senken Ihre monatliche Rechnung. Es ist ein einfacher und vergleichsweise niedrigschwelliger Einstieg in die eigene Stromproduktion.
Die drei Schlüsselfaktoren für die Amortisation
Bevor wir in den Vergleich einsteigen, ist es wichtig zu verstehen, woraus sich die Amortisationszeit – also die Zeit, bis sich die Investition durch Einsparungen bezahlt macht – zusammensetzt. Drei Faktoren spielen die Hauptrolle:
1. Die Anschaffungskosten
Ein Komplettset für ein 600-Watt-Balkonkraftwerk liegt preislich typischerweise zwischen 800 und 1.500 Euro. Die Spanne ergibt sich aus der Qualität der Komponenten, der Marke und eventuellen Zubehörteilen wie speziellen Montagesets oder längeren Kabeln. Hinzu können einmalige Kosten für die fachgerechte Installation einer Energiesteckdose durch einen Elektriker kommen. Für unsere vereinfachte Beispielrechnung gehen wir von einem Gesamtinvest von 1.250 Euro aus.
2. Der jährliche Stromertrag (in kWh)
Das ist der variabelste und standortabhängigste Faktor. Er wird maßgeblich beeinflusst durch:
* Ausrichtung: Süden ist optimal, Norden bringt deutlich weniger Ertrag.
* Neigungswinkel: Ein Winkel von etwa 25-35 Grad ist ideal. An der Balkonbrüstung ist der Winkel oft steiler.
* Verschattung: Schatten von Bäumen, Nachbarhäusern oder Balkonvordächern kann den Ertrag erheblich mindern.
* Region: Die durchschnittliche Sonneneinstrahlung ist in Süddeutschland höher als im Norden.
3. Der Strompreis und Ihr Verbrauchsverhalten
Je höher der Preis, den Sie für Netzstrom zahlen, desto wertvoller ist jede selbst erzeugte Kilowattstunde. Wir rechnen in den Beispielen mit einem Strompreis von 0,42 Euro pro kWh (ein aktueller typischer Richtwert, der je nach Anbieter und Vertrag variiert). Entscheidend ist zudem, dass Sie den Solarstrom auch zeitgleich verbrauchen können. Ein hoher Eigenverbrauchsanteil ist der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit. Geräte, die viel Strom ziehen, sollten idealerweise dann laufen, wenn die Sonne scheint.
Wirtschaftlichkeit auf einem Südbalkon (gute Bedingungen)
Ein Südbalkon mit freier Sicht zur Sonne und ohne nennenswerte Verschattung bietet die besten Voraussetzungen für eine schnelle Amortisation.
Ertragsprognose:
Pro installiertem Kilowatt Peak (kWp) kann man in Deutschland unter guten Bedingungen mit etwa 850 bis 1.000 kWh pro Jahr rechnen. Für eine 0,6 kWp-Anlage sind das circa 510 bis 600 kWh pro Jahr. Für unsere Rechnung nehmen wir einen realistischen Mittelwert von 560 kWh/Jahr an.
Jährliche Einsparung:
560 kWh * 0,42 €/kWh = rund 235 Euro Ersparnis pro Jahr.
Amortisationsrechnung:
Investition 1.250 € / 235 € jährliche Ersparnis = etwa 5,3 Jahre.
Fazit Südbalkon: Unter guten Bedingungen kann sich ein 600-Watt-Balkonkraftwerk auf einem Südbalkon in etwa 5 bis 6 Jahren amortisieren. Bei einer erwarteten Lebensdauer der Komponenten von oft 20 Jahren und mehr ist das eine wirtschaftlich sehr attraktive Investition.
Wirtschaftlichkeit auf einem Nordbalkon (eingeschränkte Bedingungen)
Ein reiner Nordbalkon erhält keine direkte, volle Sonneneinstrahlung. Die Module arbeiten fast ausschließlich mit diffusem Tageslicht, was den Ertrag erheblich reduziert.
Ertragsprognose:
Die Erträge können auf nur etwa 25% bis 40% der Werte eines Südbalkons sinken. Statt 560 kWh sind daher oft nur noch ca. 140 bis 225 kWh pro Jahr realistisch. Für eine konservative Rechnung nehmen wir einen Wert von 190 kWh/Jahr an.
Jährliche Einsparung:
190 kWh * 0,42 €/kWh = rund 80 Euro Ersparnis pro Jahr.
Amortisationsrechnung:
Investition 1.250 € / 80 € jährliche Ersparnis = etwa 15,6 Jahre.
Fazit Nordbalkon: Bei einer reinen Nordausrichtung verlängert sich die Amortisationszeit deutlich auf 15 Jahre oder mehr. Die rein finanzielle Rentabilität innerhalb der typischen Nutzungsdauer ist damit oft nicht mehr das Hauptargument.
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk am Nordbalkon trotzdem?
Die Frage nach der „Lohnenswertigkeit“ lässt sich nicht allein mit der Amortisationszeit beantworten. Auch wenn die finanzielle Rendite geringer ausfällt, können andere, ebenso wichtige Gründe für eine Anschaffung sprechen:
- Ökologischer Beitrag: Jede selbst erzeugte Kilowattstunde Ökostrom vermeidet CO₂-Emissionen aus fossilen Kraftwerken. Auch die 190 kWh vom Nordbalkon sind ein konkreter, persönlicher Beitrag.
- Unabhängigkeit und Preisstabilität: Sie machen sich ein kleines Stück unabhängiger von zukünftigen Strompreiserhöhungen. Die Ersparnis ist eine konstante, langfristige Entlastung.
- Lern- und Bewusstseinseffekt: Sie bekommen ein praktisches Gefühl für Energieerzeugung und -verbrauch. Viele Nutzer werden dadurch automatisch achtsamer und entdecken weitere Stellschrauben im Haushalt.
- Geringere Stromrechnung: Auch 80 Euro pro Jahr sind eine Einsparung, die über die Jahre summiert und beispielsweise die Anschaffung eines effizienteren Haushaltsgeräts mitfinanzieren kann.
Die Entscheidung ist also oft eine persönliche Abwägung zwischen ökologischem Engagement, dem Wunsch nach mehr Autarkie und der langfristigen Kostendämpfung.
So können Sie Ihren Ertrag optimieren – besonders bei Nordlage
Selbst bei ungünstiger Ausrichtung gibt es Stellschrauben, um das Beste aus Ihrer Mini-Solaranlage herauszuholen:
- Seitliche Montage prüfen: Verfügt Ihr Balkon über seitliche Wände oder Flächen, die nach Osten oder Westen zeigen? Eine Montage der Module an dieser Seite kann die Morgen- oder Abendsonne einfangen und den Ertrag deutlich steigern. Eine Ost-West-Aufteilung kann über den Tag gerechnet sehr gute Ergebnisse liefern.
- Eigenverbrauch intelligent managen: Nutzen Sie den selbst erzeugten Strom gezielt. Schalten Sie Verbraucher wie Waschmaschine, Geschirrspüler oder einen Boiler für die Warmwasserbereitung in den hellen Stunden ein. Einfache Zeitschaltuhren oder eine Smart-Home-Steuerung können dabei helfen. Um die größten Verbraucher zu identifizieren, ist ein Strommessgerät ein nützlicher Helfer.
Praktischer Helfer für deinen Haushalt
Wenn du ein passendes praktischen Helfer für deinen Haushalt suchst, findest du bei großen Händlern wie Amazon viele Modelle
mit unterschiedlichen Funktionen und Preisklassen. Achte vor allem auf Energieeffizienz, einfache Bedienung
und verlässliche Kundenbewertungen.Hinweis: Es handelt sich um einen unverbindlichen Hinweis, keine Beratung und keine Garantie für einzelne Produkte.
- Jede Verschattung vermeiden: Sorgen Sie für eine absolut freie Sicht der Module zum Himmel. Selbst der schmale Schattenwurf eines Balkongeländers kann die Leistung eines ganzen Modulstrangs stark reduzieren. Eine Montage etwas vom Geländer abgesetzt kann hier helfen.
- Auf hochwertige Module achten: Moderne monokristalline Solarmodule haben oft sehr gute „Low-Light“-Eigenschaften, das heißt, sie arbeiten auch bei diffuser Einstrahlung noch relativ effizient.
Vergleich Nord- vs. Südbalkon im Überblick
| Faktor | Südbalkon (gut) | Nordbalkon (eingeschränkt) |
|---|---|---|
| Typischer Jahresertrag (ca.) | 560 kWh | 190 kWh |
| Jährliche Ersparnis (bei 0,42 €/kWh) | ca. 235 € | ca. 80 € |
| Amortisationszeit (bei 1.250 € Invest.) | ca. 5,3 Jahre | ca. 15,6 Jahre |
| Primäre Motivation | Finanzielle Einsparung & Ökologie | Ökologischer Beitrag & langfristige Kostendämpfung |
Häufige Fragen (FAQ)
Wie berechne ich den ungefähren Ertrag für meinen Balkon genau?
Es gibt online viele kostenlose Solarrechner und -karten (z.B. vom DWD oder Solaratlas). Dort können Sie Ihre Adresse eingeben und erhalten eine grobe Ertragsprognose. Für Balkone ist die Genauigkeit etwas geringer, aber es gibt eine gute erste Orientierung.
Gibt es Förderungen, die die Amortisation verbessern?
Ja, und das ist ein wichtiger Punkt! Viele Städte, Gemeinden und manche Energieversorger bieten Zuschüsse für Balkonkraftwerke an, die oft zwischen 100 und 500 Euro liegen. Diese reduzieren die Anschaffungskosten direkt und verkürzen die Amortisationszeit spürbar – besonders auf dem Nordbalkon. Informieren Sie sich unbedingt vor dem Kauf bei Ihrer Kommune.
Was passiert mit überschüssigem Strom?
Ohne teuren Batteriespeicher wird dieser ins öffentliche Netz eingespeist. Für neue Anlagen gibt es eine gesetzliche, minimale Einspeisevergütung. Diese liegt jedoch deutlich unter dem Strombezugspreis, sodass sich die Einspeisung finanziell kaum lohnt. Daher bleibt der Fokus auf einem hohen Eigenverbrauch.
Sollte ich bei Nordlage überhaupt ein 600-Watt-Modul wählen oder lieber ein kleineres?
Ein größeres Modul erzeugt bei gleichen Lichtverhältnissen absolut mehr Strom. Die Amortisationszeit kann sich aber durch die höheren Kosten sogar verlängern. Ein Standard-600-Watt-Modul ist oft ein guter Kompromiss. Für eine signifikante Stromproduktion, die z.B. auch eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus unterstützen kann, ist eine größere Dachanlage meist die sinnvollere Lösung.
Fazit
Die Ausrichtung Ihres Balkons ist der entscheidende Faktor für die Wirtschaftlichkeit eines Balkonkraftwerks. Auf einem Südbalkon ist die Investition in eine 600-Watt-Anlage aus finanzieller Sicht meist überzeugend und amortisiert sich in überschaubarer Zeit.
Auf einem Nordbalkon verschiebt sich die Rechnung grundlegend. Die Amortisation dauert oft länger als die erwartete Nutzungsdauer, was die rein finanzielle Attraktivität schmälert. Dennoch kann die Anschaffung sinnvoll sein – als konkreter, persönlicher Beitrag zur Energiewende, zur langfristigen Kostendämpfung und zur Steigerung des eigenen Bewusstseins für Energie. Mit gezielten Optimierungen wie seitlicher Montage und intelligentem Verbrauch können Sie die Erträge auch hier maximieren. Letztlich ist es eine individuelle Entscheidung, bei der nicht nur die Euro-Zentimeter auf der Stromrechnung zählen.






