
Der CO2-Preis steigt 2025 erneut an und erhöht die Kosten für Heizung und Warmwasser spürbar. Dieser Artikel erklärt Ihnen die Hintergründe und zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Ihre persönliche finanzielle Belastung kalkulieren. Sie erhalten zudem konkrete Strategien, um Ihre Energieeffizienz zu verbessern und staatliche Fördermittel optimal zu nutzen.
Was ist der CO2-Preis? Das Verursacherprinzip erklärt
Der CO2-Preis ist eine Abgabe auf Kohlendioxid-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Heizöl, Erdgas oder Kohle. Er ist das Kerninstrument des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG). Das Ziel ist, einen finanziellen Anreiz zu schaffen, weniger CO2-intensive Energieträger zu nutzen und in energieeffiziente Technologien zu investieren, um die deutschen Klimaziele zu erreichen.
Nach dem Verursacherprinzip werden die klimaschädlichen Folgen des Energieverbrauchs in den Kosten abgebildet. Die Einnahmen fließen in den Klima- und Transformationsfonds (KTF). Dieser finanziert Klimaschutzmaßnahmen, die Förderung erneuerbarer Energien und dient dem sozialen Ausgleich, beispielsweise über Entlastungen oder Sanierungsförderungen.
Entwicklung bis 2025: Preiskorridor und Planungssicherheit
Der Preis startete 2021 bei 25 Euro pro Tonne CO2 und steigt jährlich. Für 2025 ist ein gesetzlicher Preiskorridor zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne CO2 festgelegt. Die genaue Höhe wird durch Auktionen ermittelt. Für Ihre Kalkulation ist es ratsam, mit einem Richtwert von mindestens 60 Euro zu planen.
Dieser vorhersehbare Anstieg soll Haushalten und Unternehmen Planungssicherheit geben. Ab 2026 wird der Preis vollständig marktbasiert in diesem Korridor ermittelt. Langfristig unterstreichen die steigenden Kosten die Dringlichkeit von Energieeffizienz und dem Umstieg auf erneuerbare Energien.
Betroffene Energieträger im Überblick
Die CO2-Kosten werden von Lieferanten erhoben und an Endverbraucher weitergegeben. Betroffen sind:
- Erdgas: Der häufigste Heizenergieträger. Die Belastung wird auf den Gaspreis aufgeschlagen.
- Heizöl: Die CO2-Kosten sind im Literpreis enthalten.
- Flüssiggas (LPG): Wird oft dort genutzt, wo kein Erdgasnetzanschluss besteht.
- Kohle: Besonders hoher Emissionsfaktor, aber heute selten im Haushaltsbereich.
- Fernwärme: Die Belastung hängt vom CO2-Emissionsfaktor des Netzes ab (z.B. aus Kraft-Wärme-Kopplung oder fossilen Quellen). Transparente Anbieter legen diesen offen.
Wichtig: Der Stromverbrauch unterliegt nicht dem nationalen CO2-Preis, sondern dem europäischen Emissionshandel (EU-ETS). Dennoch steigen auch hier die Preise, was die Attraktivität von dynamischen Stromtarifen für Wärmepumpen oder Wallboxen erhöht.
Ihre Mehrkosten berechnen: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung
So beziffern Sie die finanziellen Auswirkungen für Ihren Haushalt konkret.
Schritt 1: Ermitteln Sie Ihren Jahresverbrauch
Suchen Sie auf Ihrer letzten Jahresabrechnung für Heizung und Warmwasser den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Bei Heizöl finden Sie den Wert oft in Litern. Notieren Sie sich diese Zahl. Für eine grobe Einschätzung: Ein unsaniertes Einfamilienhaus (ca. 120-150 m²) verbraucht oft 20.000 bis 30.000 kWh Gas bzw. 2.000 bis 3.000 Liter Heizöl pro Jahr.
Schritt 2: Finden Sie den CO2-Emissionsfaktor
Jeder Energieträger hat einen spezifischen Faktor (Quelle: Umweltbundesamt):
- Erdgas: ca. 0,202 kg CO2/kWh
- Heizöl: ca. 0,266 kg CO2/kWh
- Flüssiggas (LPG): ca. 0,234 kg CO2/kWh
- Braunkohle: ca. 0,403 kg CO2/kWh
- Steinkohle: ca. 0,337 kg CO2/kWh
Für Fernwärme müssen Sie den individuellen Faktor bei Ihrem Anbieter erfragen.
Schritt 3: Wenden Sie die CO2-Preis-Formel an
Die Formel lautet: Mehrkosten = (Jahresverbrauch in kWh) × (CO2-Emissionsfaktor in kg/kWh) × (CO2-Preis in €/t) / 1000.
Rechenbeispiel für einen Gas-Haushalt:
Verbrauch: 20.000 kWh Erdgas
Emissionsfaktor: 0,202 kg CO2/kWh
CO2-Preis 2025 (angenommen): 60 €/t
Berechnung: 20.000 kWh × 0,202 kg/kWh × 60 €/t / 1000 = 242,40 € Mehrkosten pro Jahr.
Für Heizöl (Umrechnung): 1 Liter Heizöl ≈ 10 kWh. Bei 2.000 Litern (20.000 kWh): 20.000 kWh × 0,266 kg/kWh × 60 €/t / 1000 = 319,20 € Mehrkosten pro Jahr.
Schritt 4: Berücksichtigen Sie die Umsatzsteuer
Auf den CO2-Preis wird die reguläre Umsatzsteuer von 19% erhoben. Im Gasbeispiel erhöht sich die Belastung damit um ca. 46,06 € auf insgesamt rund 288,46 €. Ihr Energieversorger weist diese Gesamtkosten in der Rechnung aus.
Vergleich der Mehrkosten nach Energieträgern
Die Tabelle zeigt die Belastung bei einem angenommenen CO2-Preis von 60 €/t (ohne Umsatzsteuer) für verschiedene Verbrauchsszenarien.
| Energieträger / Verbrauch | 15.000 kWh (saniertes EFH) | 20.000 kWh (durchschnittl. EFH) | 30.000 kWh (unsaniertes EFH) |
|---|---|---|---|
| Erdgas | 181,80 € | 242,40 € | 363,60 € |
| Heizöl | 239,40 € | 319,20 € | 478,80 € |
| Flüssiggas (LPG) | 210,60 € | 280,80 € | 421,20 € |
Hinweis: Die Werte sind reine CO2-Kosten. Mit 19% USt. erhöhen sich die Beträge um etwa ein Sechstel.
Für Fernwärme fragen Sie den spezifischen CO2-Faktor bei Ihrem Anbieter ab. Klimafreundliche Fernwärme aus Geothermie oder Solarthermie kann nahezu bei 0 € CO2-Kosten liegen.
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Maßnahmen, um die Mehrkosten zu kompensieren und zu sparen
Die effektivste Maßnahme ist die Einsparung von Energie. Diese Schritte sind nach Wirkung und Investitionsaufwand gestaffelt.
1. Sofortmaßnahmen: Heizungsoptimierung und Verhalten (geringe Kosten)
Eine fachmännisch eingestellte Heizungsanlage arbeitet effizienter. Lassen Sie einen hydraulischen Abgleich durchführen und die Heizkurve optimal einstellen. Senken Sie die Raumtemperatur um 1 Grad Celsius, um etwa 6% Energie zu sparen. Nutzen Sie programmierbare Thermostatventile für eine bedarfsgerechte Steuerung.
2. Mittelfristige Investitionen: Gebäudehülle und Technik
Dämmen Sie Dach, Fassade oder Kellerdecke, um Wärmeverluste zu reduzieren. Tauschen Sie alte Fenster aus. Investieren Sie in eine moderne, hocheffiziente Heizungspumpe. Diese Maßnahmen haben eine gute Amortisationszeit bei steigenden Energiepreisen.
3. Langfristige Strategie: Umstieg auf Erneuerbare Energien
Der Wechsel zu einer Wärmepumpe, einem Biomassekessel oder der Anschluss an ein klimafreundliches Fernwärmenetz macht Sie unabhängig vom CO2-Preis für fossile Brennstoffe. Kombinieren Sie dies mit einer Photovoltaikanlage für günstigen Eigenstrom.
4. Staatliche Förderung nutzen
Für viele dieser Maßnahmen gibt es Zuschüsse oder zinsgünstige Kredite, z.B. über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Informieren Sie sich vor einer Investition über die aktuellen Fördertöpfe.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
1. Kommt der CO2-Preis zusätzlich auf meine Rechnung?
Ja, aber nicht als separate Position. Die Kosten werden von den Energieversorgern auf den Arbeitspreis für Ihren Brennstoff (z.B. Cent pro kWh Gas) aufgeschlagen und sind somit in Ihrer Gesamtrechnung enthalten.
2. Wie wird der CO2-Preis für eine Wohnung im Mehrfamilienhaus berechnet?
Die Berechnung erfolgt über den Gesamtverbrauch des Hauses. Die anfallenden CO2-Kosten werden in der Regel über die Heizkostenabrechnung entsprechend dem individuellen Verbrauch (und ggf. der Wohnfläche) auf die Mieter umgelegt. Fragen Sie bei Ihrer Hausverwaltung nach.
3. Gibt es eine Entlastung für einkommensschwache Haushalte?
Die Einnahmen aus dem CO2-Preis fließen teilweise in soziale Ausgleichsmaßnahmen zurück, wie z.B. die Absenkung der EEG-Umlage (bis zu deren Ende) oder die Strompreisbremse. Direkte pauschale Entlastungen für Heizkosten sind derzeit nicht vorgesehen, jedoch können Förderprogramme für Sanierungen genutzt werden.
4. Warum ist Heizöl teurer belastet als Erdgas?
Heizöl hat einen höheren spezifischen CO2-Emissionsfaktor (0,266 kg/kWh) als Erdgas (0,202 kg/kWh). Bei der Verbrennung von Heizöl entsteht also pro Kilowattstunde Wärme mehr Kohlendioxid, was zu höheren CO2-Kosten führt.
5. Lohnt sich ein vorzeitiger Heizungstausch angesichts des CO2-Preises?
Ein wirtschaftlicher Tausch hängt von vielen Faktoren ab (Alter der Anlage, Sanierungszustand des Gebäudes, Förderung). Der steigende CO2-Preis verbessert jedoch die Wirtschaftlichkeit von effizienten und erneuerbaren Heizsystemen wie Wärmepumpen deutlich. Lassen Sie sich von einem Energieberater eine individuelle Analyse erstellen.
Quellen
- Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK): Informationen zum nationalen Emissionshandel (BEHG).
- Umweltbundesamt (UBA): Emissionsfaktoren für Brennstoffe.
- Deutsche Energie-Agentur (dena): Leitfäden zur Heizungsoptimierung und Gebäudesanierung.






