
Der beste Joghurtbereiter: Ein FAZ-Test unter der Lupe – Ihr Weg zum perfekten Joghurt
Die Lust auf Selbstgemachtes, auf Kontrolle über die Zutaten und auf den puren Geschmack frischen Joghurts hat in den letzten Jahren eine kleine, aber feine Revolution in deutschen Küchen ausgelöst. Im Zentrum dieser Bewegung steht ein oft unterschätztes Gerät: der Joghurtbereiter. Doch welches Modell hält, was es verspricht? Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat einen umfangreichen Test durchgeführt, der Licht ins Dunkel bringt. Dieser Ratgeber nimmt die FAZ-Ergebnisse nicht nur zur Kenntnis, sondern ordnet sie fachlich ein, erklärt die zugrundeliegende Technik und übersetzt sie in eine klare, für Sie nachvollziehbare Kaufentscheidung. Denn der beste Joghurtbereiter ist nicht einfach der Testsieger einer Zeitung, sondern der, der perfekt zu Ihren individuellen Bedürfnissen, Ihrer Küchenroutine und Ihrem Geschmack passt.
Die Wissenschaft der Milchsäure: Was in Ihrem Joghurtbereiter wirklich passiert
Bevor wir in die Testergebnisse einsteigen, lohnt ein Blick auf das Wesentliche: die Biochemie. Joghurtbereitung ist im Kern ein kontrollierter Fermentationsprozess. Bestimmte Bakterienkulturen – typischerweise Lactobacillus bulgaricus und Streptococcus thermophilus – verwandeln den Milchzucker (Laktose) in Milchsäure. Diese Säure senkt den pH-Wert, wodurch die Proteine in der Milch (vor allem Casein) denaturieren und ein festes, gelartiges Netzwerk bilden: die Joghurtmasse.
Die entscheidende Stellschraube dabei ist die Temperatur. Die meisten Joghurtkulturen gedeihen ideal bei 40°C bis 45°C. Unterhalb von 37°C arbeiten sie zu langsam, oberhalb von 50°C sterben sie ab. Die primäre Aufgabe eines Joghurtbereiters ist es daher nicht, zu kochen oder zu erhitzen, sondern über einen langen Zeitraum (üblicherweise 6-12 Stunden) eine absolut konstante, gleichmäßige Temperatur im gesamten Behälter zu gewährleisten. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen – und hier setzen auch die differenzierten Bewertungen der FAZ an.
Der FAZ-Test im Detail: Methodik und Bewertungskriterien
Die FAZ hat sich nicht mit oberflächlichen Eindrücken begnügt. Der Test folgte einem stringenten, nachvollziehbaren Protokoll, das sowohl objektive Messungen als auch subjektive Sinnesprüfungen umfasste. Verstanden wurden folgende Kernkriterien:
- Handhabung & Alltagstauglichkeit: Wie intuitiv ist die Bedienung? Wie leicht ist die Reinigung? Wie robust sind die Gläser?
- Temperaturführung & Gleichmäßigkeit: Wird die Solltemperatur präzise gehalten? Gibt es kalte Zonen im Gerät? (Gemessen mit Temperaturfühlern).
- Endergebnis – Der Joghurt selbst: Konsistenz (cremig/fest/wässrig), Geschmack (sauber, mild, ausgewogen), Oberfläche (glatt oder bröckelig).
- Funktionsumfang & Flexibilität: Nur Joghurt oder auch andere Fermente (Kefir, Sauerteig)? Einstellbare Zeit/Temperatur? Geräuschentwicklung.
- Verarbeitung & Haltbarkeit: Qualität der Materialien, Verarbeitung der Gläser, Gesamteindruck.
Diese ganzheitliche Betrachtung ist entscheidend, denn ein Gerät, das theoretisch perfekt temperiert, aber mühsam zu reinigen ist, wird schnell in der hintersten Schublade verschwinden.
Die Kontrahenten: Vorstellung der getesteten Modelle
Die FAZ hat eine repräsentative Auswahl der am Markt verfügbaren Typen unter die Lupe genommen. Wir stellen die wichtigsten Kategorien und Kandidaten vor.
1. Der Klassiker: Joghurtbereiter mit Einzelgläsern
Das traditionelle Design: Ein Heizblock, in den 6-8 einzelne, verschließbare Glasbecher gestellt werden.
* Vorteile: Portionierte Fertigprodukte, einfaches Mitnehmen (z.B. fürs Büro), oft ansprechendes Design.
* Nachteile: Temperaturverteilung kann ungleichmäßiger sein, Reinigungsaufwand für viele Einzelteile.
2. Der Praktiker: Joghurtbereiter mit einem großen Behälter
Hier wird die gesamte Milchmenge (oft 1-2 Liter) in einem großen, fest integrierten oder beiliegenden Kunststoff- oder Edelstahlbehälter fermentiert.
* Vorteile: Einfache Handhabung, gleichmäßigere Temperatur, leicht zu reinigen (oft nur ein Teil).
* Nachteile: Joghurt muss nach der Reifung umgefüllt werden, ist nicht portioniert.
3. Der Multifunktionale: Geräte mit Zusatzfunktionen
Moderne Geräte, die oft auch als „Fermentierer“ oder „Joghurtmaker Plus“ vermarktet werden.
* Vorteile: Können oft auch Kefir, Käse, Sauerteig oder sogar Getreide keimen. Hohe Flexibilität.
* Nachteile: Komplexere Bedienung, oft höherer Preis, Fokus kann von der Kernaufgabe abweichen.
Analyse der FAZ-Ergebnisse: Stärken und Schwächen der Top-Modelle
Anhand der FAZ-Bewertungen und unserer eigenen Expertise lassen sich klare Tendenzen und Empfehlungen ableiten. Die folgende Tabelle fasst die Kernaussagen für die wichtigsten Kandidaten zusammen:
| Gerätetyp / Modell (Beispiel) | FAZ-Bewertung (Zusammenfassung) | Stärken | Schwächen | Idealer Nutzer |
|---|---|---|---|---|
| Klassiker (z.B. Severin, Princess) | Gut bis befriedigend. Solide Grundfunktion. | Einfach in der Bedienung, günstig in der Anschaffung, portioniert. | Teils ungleichmäßige Konsistenz, Glasqualität oft mittelmäßig, geringe Temperaturkontrolle. | Gelegenheitsjoghurtmacher, die Wert auf Einzelportionen legen und kein Premium-Ergebnis erwarten. |
| Premium-Einzelglas (z.B. Emsa, WMF) | Sehr gut. Hervorragendes Ergebnis. | Präzise Temperaturführung, hochwertige, dicke Gläser, sehr gleichmäßiger, cremiger Joghurt. | Höherer Preis, höheres Gewicht. | Anspruchsvolle Genießer, für die Konsistenz und Geschmack an erster Stelle stehen. |
| Großbehälter-Modell (z.B. Rommelsbacher, Clatronic) | Gut. Sehr praktisch im Alltag. | Einfachste Handhabung, leicht zu reinigen, gute, gleichmäßige Ergebnisse für die Masse. | Joghurt muss umgefüllt werden, weniger „fein“ im Geschmack als Top-Einzelglas-Modelle. | Familien oder Vielverbraucher, die pragmatisch und zeitsparend großen Joghurt herstellen wollen. |
| Multifunktionsgerät (z.B. Lakeland, Yoghourmet) | Befriedigend bis gut. Flexibel. | Vielfältige Anwendungen (Kefir, Käse), oft digitale Steuerung. | Joghurt-Ergebnis nicht immer erstklassig, Bedienung komplexer, Aufpreis für selten genutzte Funktionen. | Experimentierfreudige Küchenenthusiasten, die verschiedene Fermentations-Projekte ausprobieren möchten. |
Der heimliche Star der FAZ: Präzision und Konsistenz
Ein klares Fazit der FAZ, das sich durch die Bewertungen zieht: Die Modelle, die in der Kategorie „Temperaturführung & Gleichmäßigkeit“ und „Endergebnis – Der Joghurt“ am besten abschnitten, waren durchweg die hochwertigen Einzelglas-Bereiter der Premium-Klasse (wie von Emsa oder WMF). Warum? Diese Geräte verfügen oft über eine besonders gleichmäßig temperierende Heizung und – entscheidend – über sehr dickwandige, isolierte Glasbecher. Diese Gläser wirken wie ein kleiner Ofen, halten die Temperatur konstant und verhindern, dass der Joghurt am Rand fest wird, während er in der Mitte noch flüssig ist. Das Ergebnis ist ein homogen cremiger, glatter und geschmacklich ausgewogener Joghurt ohne wässrige Absonderungen (Molke).
Die Kaufentscheidung: Welcher Joghurtbereiter ist wirklich der beste – für Sie?
Die pauschale Frage nach „dem besten“ Gerät ist müßig. Die richtige Frage lautet: Was ist mein persönliches Hauptkriterium?
- Für den perfekten Genuss und Premium-Anspruch: Greifen Sie zu einem Premium-Einzelglasbereiter. Die Investition von 50-80 Euro amortisiert sich schnell, wenn man den Kauf von Bio-Joghurt dagegen rechnet. Sie bekommen das sensorisch beste Ergebnis.
- Für die pragmatische Familie: Ein Großbehälter-Modell ist Ihre Wahl. Sie sparen Zeit bei der Zubereitung und Reinigung und haben immer eine große Menge parat. Das Ergebnis ist sehr gut und für den Alltag mehr als ausreichend.
- Für den experimentierfreudigen Foodie: Ein Multifunktions-Fermentierer kann lohnenswert sein, wenn Sie wirklich planen, seine vielfältigen Möglichkeiten auszureizen. Stellen Sie aber sicher, dass die Joghurt-Funktion gut umgesetzt ist.
- Für den vorsichtigen Erstnutzer: Ein einfacher Klassiker für unter 30 Euro ist ein toller Einstieg, um herauszufinden, ob Ihnen das Selbermachen überhaupt liegt. Erwarten Sie aber keine Wunder.
Ein Profi-Tipp abseits des Tests: Die Bedeutung der Ausgangsprodukte
Der beste Joghurtbereiter kann nur so gut sein wie seine Zutaten. Die FAZ weist darauf hin, zwei Faktoren sind entscheidend:
1. Die Milch: Verwenden Sie frische, pasteurisierte (nicht ultrahocherhitzte H-Milch!) Vollmilch mit mindestens 3,5% Fett. Der Fettgehalt ist essentiell für Cremigkeit. Bio-Milch bringt oft geschmackliche Vorteile.
2. Die Joghurtkultur: Starten Sie mit einem hochwertigen Naturjoghurt (ohne Zusätze, mit lebenden Kulturen) als Impfung. Oder investieren Sie in gefriergetrocknete Joghurtkulturen aus dem Reformhaus oder Online-Handel – diese liefern konstantere Ergebnisse und können mehrfach verwendet werden (Reinkulturen).
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie lange dauert die Joghurtbereitung?
Die reine Fermentationszeit beträgt in der Regel 6-12 Stunden. Längere Zeit (z.B. über Nacht) führt zu festerem, säuerlichem Joghurt. Kürzere Zeit ergibt einen milderen, weicheren Joghurt. Einige digitale Geräte haben Timer.
Warum ist mein selbstgemachter Joghurt so dünnflüssig/wässrig?
Mögliche Ursachen: 1) Die Milch war zu heiß (>50°C) beim Impfen und die Kulturen starben ab. 2) Die Temperatur war während der Fermentation zu niedrig oder schwankend. 3) Es wurde H-Milch verwendet. 4) Die Fermentationszeit war zu kurz. 5) Der Joghurt wurde nach der Bereitung zu stark bewegt, bevor er im Kühlschrank vollständig abkühlen und festigen konnte.
Kann ich den selbstgemachten Joghurt für die nächste Charge verwenden?
Ja, das nennt man „Animpfen“. Nehmen Sie 2-3 Esslöffel Ihres selbstgemachten Joghurts für die nächste Liter-Milch. Allerdings können sich über mehrere Generationen hinweg auch unerwünschte Bakterien vermehren, was den Geschmack beeinträchtigen kann. Nach 3-4 Durchgängen sollte man mit einer frischen Kultur (Joghurt oder Pulver) neu starten.
Muss ich die Milch vorher abkochen?
Bei der Verwendung von frischer, pasteurisierter Milch ist das nicht nötig und sogar kontraproduktiv, da Sie so hitzeempfindliche Vitamine zerstören. Die Milch sollte nur auf ca. 40-45°C erwärmt werden, um die Impfkultur optimal zu aktivieren. Bei Rohmilch ist Abkochen aus hygienischen Gründen zwingend erforderlich.
Was ist der Unterschied zwischen Joghurt und griechischem Joghurt?
Griechischer Joghurt (bzw. Joghurt nach griechischer Art) ist durch Abtropfen von Molke konzentrierter und fester. Sie können Ihren selbstgemachten Joghurt einfach in ein mit einem sauberen Geschirrtuch oder einem Coffee-Filter ausgelegtes Sieb geben und für mehrere Stunden im Kühlschrank abtropfen lassen. Je länger, desto fester.
Fazit: Der FAZ-Test bietet eine hervorragende, neutrale Grundlage für die Entscheidung. Er bestätigt, dass die Technik der Joghurtbereitung ausgereift ist – aber dass die Teufel im Detail stecken. Letztlich führt der Weg zum perfekten, selbstgemachten Joghurt über die Kombination aus einem präzise arbeitenden Gerät (mit dem Fokus auf gleichmäßiger Temperatur) und hochwertigen Ausgangsprodukten. Ob Sie sich dann für die eleganten Einzelgläser des Testsiegers oder den pragmatischen Großbehälter entscheiden, bleibt Ihr persönlicher Geschmack – im wahrsten Sinne des Wortes. Beginnen Sie Ihre Reise in die Welt der Fermentation, es lohnt sich für Geschmack, Gesundheit und Genuss.






