
Die Renaissance der Selbstgemacht-Kultur: Warum ein Joghurtbereiter mehr ist als ein Nischengerät
In einer Zeit, in der wir zunehmend den Ursprung unserer Lebensmittel hinterfragen, Konservierungsstoffe meiden und den puren Geschmack schätzen, erlebt ein scheinbar altmodisches Küchengerät ein fulminantes Comeback: der Joghurtbereiter. Es ist mehr als nur Nostalgie. Es ist ein Statement für Kontrolle, Qualität und ein Stück Unabhängigkeit in der eigenen Küche. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat sich diesem Trend gewidmet und verschiedene Modelle einem strengen Praxistest unterzogen. Doch ein Testurteil allein beantwortet nicht die individuellen Fragen des ambitionierten Hobby-Käsers oder der gesundheitsbewussten Familie. Dieser umfangreiche Ratgeber nimmt das FAZ-Ergebnis als Ausgangspunkt, ergänzt es mit fundiertem Expertenwissen und führt Sie durch den Dschungel der Kaufkriterien, damit Sie den für Sie perfekten Joghurtbereiter finden.
Das FAZ-Testergebnis im Detail: Eine nüchterne Analyse
Die FAZ hat in ihrem Test einen klaren Favoriten gekürt, doch die Bewertungskriterien sind für den informierten Kauf mindestens genauso wichtig. Typischerweise bewertet ein solcher Test aus Verbrauchersicht:
Die zentralen Bewertungskriterien eines seriösen Tests
- Handhabung & Reinigung: Wie intuitiv ist die Bedienung? Lassen sich die Gläser und der Behälter leicht reinigen? Sind sie spülmaschinengeeignet? Dies ist oft das entscheidende Kriterium für den langfristigen Gebrauch.
- Ergebnisqualität: Wie cremig, fest und aromatisch wird der Joghurt? Konsistenz und Geschmack sind der Lohn für die Mühe.
- Funktionsumfang & Flexibilität: Bietet das Gerät nur eine Joghurt-Funktion oder auch Programme für Quark, Käse, Desserts oder gar eine reine Heiz-/Haltefunktion? Kann man die Fermentationszeit und -temperatur individuell steuern?
- Energieeffizienz & Geräuschentwicklung: Wie wirtschaftlich arbeitet das Gerät über die vielen benötigten Stunden? Ist es leise genug für die Küche oder sogar das Schlafzimmer?
- Verarbeitung & Haltbarkeit: Wirken die Gläser und der Gerätekörper hochwertig? Sind die Deckel dicht?
Der FAZ-Testsieger punktete vermutlich durch eine ausgewogene Mischung aus diesen Faktoren – besonders durch benutzerfreundliche Handhabung und ein konsistent gutes Ergebnis. Doch: Der „beste“ Joghurtbereiter im Test ist nicht zwangsläufig der beste für Ihre Bedürfnisse.
Kaufberatung: Der Weg zu Ihrem persönlichen Testsieger
Bevor Sie sich vom Label „Testsieger“ blenden lassen, sollten Sie eine persönliche Bestandsaufnahme machen.
1. Die Grundsatzfrage: Welcher Typ Joghurtbereiter passt zu mir?
| Typ | Funktionsweise | Vorteile | Nachteile | Für wen geeignet? |
|---|---|---|---|---|
| Gerät mit Einzelgläsern | Jeder Portionsbecher wird individuell befüllt und fermentiert. | Hygienisch (kein Umfüllen), perfekte Portionsgrößen, ideal zum Mitnehmen, unterschiedliche Geschmacksrichtungen möglich. | Etwas aufwändigeres Befüllen, Reinigung mehrerer Teile. | Singles, Paare, Familien, die Joghurt direkt zum Essen oder für unterwegs portionieren möchten. |
| Gerät mit einem großen Behälter | Die Joghurtmilch wird in einem großen Topf (meist 1-2 l) fermentiert. | Schnelles, einfaches Befüllen und Entleeren, oft günstiger in der Anschaffung. | Joghurt muss nach der Reifung umgefüllt werden, Gefahr der Verunreinigung, Portionierung nötig. | Haushalte, die große Mengen auf Vorrat produzieren und den Joghurt z.B. für Smoothies oder zum Kochen verwenden. |
| Multifunktionsgeräte | Kombigeräte, die auch Quark, Käse, Desserts, Brot backen oder fermentieren können. | Hohe Flexibilität, platzsparend (ersetzt ggf. andere Geräte). | Höhere Anschaffungskosten, komplexere Bedienung, oft Kompromisse bei der Joghurt-Spezialisierung. | Küchen-Enthusiasten, die experimentieren und Platz sparen wollen. |
2. Die technischen Feinheiten: Auf diese Details kommt es an
- Temperaturregelung und -konstanz: Die Milch muss über viele Stunden auf exakt 40-45°C gehalten werden. Gute Geräte haben eine präzise Elektronik. Einige Modelle bieten unterschiedliche Temperaturstufen für milderen oder säuerlicheren Joghurt.
- Timer & Automatikprogramme: Ein Timer zeigt die verbleibende Zeit an. Noch komfortabler sind Geräte, die nach Ende der Fermentation automatisch in einen Kühlmodus schalten, um den Reifeprozess zu stoppen – so wird der Joghurt auch bei Abwesenheit nicht übersäuert.
- Material der Gläser/Behälter: Borosilikatglas (hitzebeständig) ist ideal. Bei Plastikbehältern unbedingt auf BPA-Freiheit achten. Edelstahlbehälter sind robust, aber man kann den Reifeprozess nicht beobachten.
- Deckel: Sie sollten gut verschließen und idealerweise eine kleine Entlüftungsöffnung haben, um Kondenswasser abzuleiten, ohne dass Keime eindringen.
3. Die Praxis: Von der Milchwahl zum perfekten Joghurt
Die Qualität des Joghurts hängt maßgeblich von Ihren Zutaten und der Technik ab.
- Die Milch: Verwenden Sie frische, pasteurisierte (nicht ultrahocherhitzte!) Milch. Der Fettgehalt bestimmt die Cremigkeit. Für griechischen Joghurt wird der Joghurt nach der Fermentation in einem Sieb oder mit einem Joghurt-Tuch abgetropft, um Molke zu entfernen.
- Der Joghurtferment (Starterkultur): Sie können 1-2 EL Naturjoghurt aus dem Supermarkt (mit lebenden Kulturen!) oder professionelle Joghurtkulturen (Pulver) aus dem Reformhaus oder Online-Handel verwenden. Pulverkulturen sind oft robuster und liefern ein konsistenteres Ergebnis. Ein Joghurt-Eiweiß (z.B. Milchpulver) kann für eine festere Konsistenz sorgen.
- Der Prozess: Milch auf ca. 40°C erwärmen (Fingerprobe: lauwarm), Starterkultur einrühren, in den Joghurtbereiter füllen und 6-12 Stunden fermentieren lassen. Je länger, desto säuerlicher.
Top-Modelle im Marktüberblick (inspiriert von Test- und Nutzerbewertungen)
Basierend auf allgemeinen Test- und Marktanalysen (wie der FAZ) haben sich folgende Kategorien und Modelle etabliert. Der FAZ-Testsieger würde typischerweise in die erste Kategorie fallen.
Kategorie 1: Der Allrounder für Einsteiger und Fortgeschrittene (FAZ-Testsieger-Kategorie)
Hier finden sich Geräte, die ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten, einfach zu bedienen sind und zuverlässig gute Ergebnisse liefern. Oft sind es Modelle mit 7-8 Einzelgläsern aus Glas. Sie punkten mit einer klaren Bedienoberfläche, einer konstanten Temperaturführung und der Möglichkeit, auch cremigen Joghurt oder Quark herzustellen. Diese Geräte sind die sichere Wahl für die meisten Haushalte.
Kategorie 2: Der Premium-Profi mit Multifunktion
Diese Geräte gehen über die reine Joghurtherstellung hinaus. Sie verfügen über zahlreiche Programme (Joghurt, Quark, Käse, Dessert, Fermentieren, Brotbacken) und oft über eine digitale Steuerung mit exakter Temperatur- und Zeiteinstellung. Das Material (oft Edelstahl und hochwertiges Plastik) ist besonders langlebig. Ideal für Küchenenthusiasten, die maximale Flexibilität schätzen und bereit sind, mehr zu investieren.
Kategorie 3: Der Einfache & Günstige für Gelegenheitsnutzer
Oft ein großer, einfacher Behälter ohne viel Elektronik. Diese Geräte erfüllen ihren grundlegenden Zweck – das Halten einer warmen Temperatur – zuverlässig und zu einem niedrigen Preis. Die Ergebnisse können sehr gut sein, erfordern aber etwas mehr Fingerspitzengefühl (z.B. bei der Temperatur der Ausgangsmilch). Perfekt für alle, die erstmal unverbindlich in die Welt des selbstgemachten Joghurts schnuppern möchten.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Joghurtbereiter
Kann ich mit einem Joghurtbereiter auch pflanzlichen Joghurt herstellen?
Ja, absolut. Die Prinzipien sind dieselben. Verwenden Sie Soja-, Mandel-, Hafer- oder Kokosmilch und einen dafür geeigneten Starter (es gibt spezielle vegane Joghurtkulturen oder Sie können probieren, mit einem veganen Naturjoghurt zu impfen). Die Fermentationszeit kann variieren. Ein Gerät mit temperaturregulierbarer Einstellung ist hier von Vorteil.
Wie lange ist selbstgemachter Joghurt haltbar?
Bei durchgehend kühler Lagerung im Kühlschrank (≤ 7°C) ist selbstgemachter Joghurt etwa 7-10 Tage haltbar. Entscheidend ist absolute Hygiene bei der Herstellung: saubere Geräte, frischer Starter, schnelles Abkühlen nach der Fermentation. Verwenden Sie stets einen sauberen Löffel zum Entnehmen.
Warum wird mein Joghurt nicht fest?
Dafür gibt es mehrere mögliche Ursachen: 1) Die Milch war zu heiß (>50°C) beim Einrühren des Starters, wodurch die Kulturen abgetötet wurden. 2) Die Temperatur im Gerät war zu niedrig oder schwankend. 3) Der verwendete Starterjoghurt war nicht aktiv (z.B. wärmebehandelt). 4) Die Fermentationszeit war zu kurz. 5) Die Milch war ultrahocherhitzt (H-Milch), was die Eiweißstruktur verändert. Probieren Sie frische pasteurisierte Milch und/oder geben Sie einen Löffel Milchpulver hinzu.
Kann ich aus meinem selbstgemachten Joghurt wieder einen neuen ansetzen?
Ja, aber nur für wenige „Generationen“ (max. 3-5 Mal). Mit jeder Weiterzucht verändern sich die Bakterienstämme, unerwünschte Keime können überhandnehmen, und der Joghurt wird immer wässriger und säuerlicher. Für ein konsistent gutes Ergebnis empfiehlt sich regelmäßig der Einsatz eines frischen Starters (Joghurt oder Pulver).
Brauche ich wirklich ein spezielles Gerät? Geht es nicht auch ohne?
Es gibt Alternativen: im Ofen mit Licht, in der Heizungsnische, im Slow Cooker oder im Thermomix. Allerdings bietet ein dedizierter Joghurtbereiter den großen Vorteil der konstanten und sicheren Temperaturführung über viele Stunden, ohne dass Sie eingreifen oder Energie verschwenden müssen. Es ist die zuverlässigste und energieeffizienteste Methode.
Fazit: Mehr als nur ein Gerät – ein Stück Lebensqualität
Die Investition in einen guten Joghurtbereiter, sei es den Testsieger der FAZ oder ein Modell, das perfekt zu Ihren individuellen Anforderungen passt, ist weit mehr als der Kauf eines Küchenhelfers. Es ist ein Schritt hin zu einem bewussteren Umgang mit Lebensmitteln. Sie gewinnen Kontrolle über die Zutaten, vermeiden Verpackungsmüll, sparen auf Dauer Geld und erleben die befriedigende Freude am Selbstgemachten. Der cremige, pure Geschmack eines frischen, selbst kultivierten Joghurts ist unvergleichlich. Lassen Sie sich von den Testergebnissen leiten, aber hören Sie auch auf Ihre eigenen Bedürfnisse. Dann steht dem Genuss Ihres persönlichen „Testsieger“-Joghurts nichts mehr im Wege.






