
Sie möchten Strom sparen und haben im Internet oder von Bekannten verschiedene Tipps für Ihren Kühlschrank gehört? Vorsicht! Nicht jeder gut gemeinte Ratschlag hält, was er verspricht. Manche vermeintlichen Energiespartipps sind ineffektiv, andere können sogar den Energieverbrauch erhöhen oder das Gerät beschädigen. Dieser Artikel hilft Ihnen, die häufigsten Fallstricke zu erkennen und zeigt Ihnen stattdessen wissenschaftlich fundierte, wirklich effiziente Methoden.
Warum falsche Spartipps teuer werden können
Ein Kühlschrank läuft 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Er ist damit einer der größten Dauerverbraucher im Haushalt. Ein vermeintlicher Spartipp, der den Verbrauch nur um wenige Prozent erhöht, summiert sich über die Jahre zu einer beträchtlichen Mehrbelastung für Ihren Geldbeutel und die Umwelt. Noch kritischer sind Ratschläge, die die Technik des Geräts beeinträchtigen können und im schlimmsten Fall zu einem vorzeitigen Defekt führen. Es lohnt sich daher, genau hinzusehen und auf Quellen wie die Verbraucherzentrale oder das Umweltbundesamt zu vertrauen.
Tipp 1: Die Temperatur zu niedrig einstellen – ein klassischer Fehler
Der Gedanke ist naheliegend: Je kälter, desto besser die Kühlung und desto seltener muss das Gerät laufen. Falsch gedacht! Eine zu niedrig eingestellte Temperatur ist einer der häufigsten Energiefresser. Der Kompressor muss viel länger und häufiger arbeiten, um die eingestellte Minustemperatur im Kühlfach zu erreichen, obwohl dies für die meisten Lebensmittel völlig unnötig ist. Jedes Grad Celsius weniger erhöht den Stromverbrauch um etwa 6 Prozent.
Die bessere Alternative: Stellen Sie die Temperatur im Hauptfach auf +7 °C ein. Diese Temperatur ist für die allermeisten Lebensmittel völlig ausreichend und hygienisch sicher. Überprüfen Sie die Temperatur mit einem Thermometer auf der mittleren Glasplatte. Eine genaue Anleitung, wie Sie den Stromverbrauch Ihres Kühlschranks berechnen, hilft Ihnen, die Auswirkungen zu quantifizieren.
Tipp 2: Den Kühlschrank mit Gegenständen ‚dämmen‘ – gefährlicher Unsinn
Immer wieder kursiert der Rat, den Kühlschrank mit Styroporplatten oder Decken zu ummanteln, um ihn zu isolieren. Dies ist nicht nur nutzlos, sondern brandgefährlich! Kühlschränke geben die Wärme, die sie dem Innenraum entziehen, über die seitlichen oder rückseitigen Verflüssiger-Schlangen ab. Wird diese Wärmeabgabe behindert, kann sich der Kompressor überhitzen. Die Folge ist ein drastisch erhöhter Energieverbrauch und ein hohes Risiko für einen Totalausfall des Geräts.
Die bessere Alternative: Sorgen Sie für freie Lüftung! Achten Sie darauf, dass die Lüftungsöffnungen an der Rückseite oder den Seiten frei von Staub sind und nicht durch Möbel oder Gegenstände verdeckt werden. Ein paar Zentimeter Abstand zur Wand sind essenziell. Diese einfache Maßnahme gehört zu den effektivsten Maßnahmen, um Stromkosten zu senken.
Tipp 3: Regelmäßiges Abtauen bei NoFrost-Geräten – reine Zeitverschwendung
Bei alten Kühlschränken ohne Abtauautomatik war regelmäßiges Abtauen ein wichtiger Spartipp, da eine Eisschicht als Isolator wirkt. Moderne NoFrost- oder LowFrost-Geräte verhindern die Eisbildung jedoch aktiv durch einen automatischen Abtauzyklus. Ein manuelles Abtauen ist bei diesen Geräten völlig überflüssig und spart keine Energie.
Die bessere Alternative: Nutzen Sie die Technik, für die Sie bezahlt haben. Achten Sie beim Neukauf auf die NoFrost-Funktion. Wichtiger ist die regelmäßige Reinigung der Ablaufrinne für das Tauwasser (oft hinten im Gerät), um Verstopfungen und unangenehme Gerüche zu vermeiden. Für andere Geräte gilt: Informieren Sie sich, wie Sie den Stromverbrauch Ihrer Waschmaschine senken oder Ihren Trockner energiesparend nutzen.
Tipp 4: Den Kühlschrank in den Keller stellen – oft kontraproduktiv
„Im Keller ist es kühl, da muss der Kühlschrank weniger arbeiten.“ Diese Logik ist nicht immer richtig. In unbeheizten Kellerräumen kann die Umgebungstemperatur im Winter auf unter +10 °C fallen. Viele moderne Kühlgeräte sind für einen Betrieb in solch kalten Umgebungen nicht optimiert. Der Thermostat erkennt möglicherweise keine Notwendigkeit zum Kühlen mehr, sodass das Gefrierfach nicht mehr korrekt arbeitet und Lebensmittel auftauen können. Zudem kann die Ölpumpe des Kompressors bei Kälte Probleme bekommen.
Die bessere Alternative: Stellen Sie Ihren Kühlschrank in einen Raum mit einer möglichst konstanten Umgebungstemperatur zwischen 16 °C und 20 °C. Meiden Sie direkte Sonneneinstrahlung und Plätze in der Nähe von Herd, Heizung oder Spülmaschine. Jedes Grad höhere Raumtemperatur kann den Stromverbrauch des Kühlschranks um 3-5% steigern. Um die finanziellen Auswirkungen zu verstehen, lesen Sie unseren Artikel Was kostet ein Kühlschrank im Jahr?.
So sparen Sie wirklich Energie mit Ihrem Kühlschrank
Statt auf Mythen zu setzen, bringen diese wissenschaftlich fundierten Maßnahmen echte Ersparnis:
- Türdichtungen prüfen: Schließen Sie eine eingeklemmte Banknote in die Tür ein. Lässt sie sich leicht herausziehen, sind die Dichtungen verschlissen und kalte Luft entweicht.
- Richtig einräumen: Lassen Sie warme Speisen vollständig abkühlen, bevor Sie sie in den Kühlschrank stellen. Vermeiden Sie es, den Kühlschrank zu überfüllen, da dies die Luftzirkulation behindert.
- Energieeffizienzklasse beachten: Ein neues Gerät der Klasse A+++ verbraucht oft nur halb so viel Strom wie ein 10-15 Jahre altes Modell. Die Anschaffung kann sich schnell amortisieren.
- Stromverbrauch messen: Nutzen Sie ein Energiemessgerät, um den tatsächlichen Verbrauch zu ermitteln. So finden Sie heraus, ob Ihr Gerät ein heimlicher Stromfresser ist. Eine Methode dazu finden Sie in unserer Anleitung, wie Sie den Stromverbrauch in kWh berechnen.
Checkliste: Effizienter Umgang mit Ihrem Kühlgerät
Mit dieser Checkliste behalten Sie die wichtigsten Punkte im Blick:
- ☑ Temperatur im Hauptfach auf +7 °C eingestellt.
- ☑ Gefrierfach auf -18 °C eingestellt.
- ☑ Lüftungsöffnungen an Rück- und Seitenwänden sind frei und staubfrei.
- ☑ Türdichtungen sind sauber und intakt (Banknotentest).
- ☑ Gerät steht nicht in der prallen Sonne oder direkt neben Wärmequellen.
- ☑ Lebensmittel sind abgedeckt gelagert, um Feuchtigkeitsbildung zu reduzieren.
- ☑ Das Gerät ist regelmäßig, aber nicht überfüllt.
Optimale Temperaturen für verschiedene Kühlzonen
| Bereich | Empfohlene Temperatur | Energie-Konsequenz bei Abweichung |
|---|---|---|
| Kühlschrank (mittlere Ebene) | +7°C | Jedes Grad kälter erhöht den Verbrauch um ca. 6%. |
| Gemüsefach (unten) | +8°C bis +10°C | Zu kalte Temperaturen lassen Gemüse schneller welken. |
| Gefrierfach | -18°C | Jedes Grad kälter erhöht den Verbrauch deutlich (bis zu 10%). |
| Türfächer (z.B. für Getränke) | +10°C bis +12°C | Der wärmste Bereich – ideal für unempfindliche Lebensmittel. |
Energieverbrauch im Vergleich: Altes vs. effizientes Gerät
| Gerätetyp / Maßnahme | Geschätzter Jahresverbrauch | Kosten pro Jahr (ca., bei 0,35 €/kWh) |
|---|---|---|
| Alter Kühlschrank (15+ Jahre) | über 300 kWh | > 105 Euro |
| Moderner A+++ Kühlschrank (Kombigerät) | ca. 150 kWh | ca. 53 Euro |
| Konsequente Nutzung optimaler Temperaturen (+7°C statt +5°C) | Einsparung: ~12% | Einsparung: bis zu 12 Euro (bei altem Gerät) |
| Stellung neben der Heizung vermeiden | Einsparung: ~10-15% | Einsparung: bis zu 15 Euro (bei altem Gerät) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Temperatur ist im Kühlschrank ideal, um Energie zu sparen?
Die ideale Temperatur im Hauptfach beträgt +7 °C. Diese ist für fast alle Lebensmittel ausreichend kühl und hygienisch sicher. Jedes Grad niedrigere Temperatur erhöht den Energieverbrauch um etwa 6%, ohne einen relevanten Frischevorteil zu bringen.
Schadet es dem Kühlschrank, wenn er zu leer steht?
Ein sehr leerer Kühlschrank ist ineffizienter. Beim Öffnen entweicht die kalte Luft schneller und wird durch warme Raumluft ersetzt, die der Kompressor dann wieder herunterkühlen muss. Ein gut gefüllter, aber nicht überladener Kühlschrank speichert die Kälte besser, da die Lebensmittel als Kältepuffer dienen.
Ist ein voller Kühlschrank wirklich sparsamer?
Ja, ein zu etwa zwei Dritteln gefüllter Kühlschrank arbeitet am effizientesten. Die gekühlten Lebensmittel und Getränke speichern die Kälte und geben sie bei geöffneter Tür langsamer ab als die Luft allein. Wichtig ist jedoch, dass die Luft noch zirkulieren kann – eine Überfüllung blockiert die Lüftungsschlitze und wirkt kontraproduktiv.
Wie oft sollte ich meinen Kühlschrank reinigen, um effizient zu bleiben?
Eine Grundreinigung im Innenraum alle 2-3 Monate ist empfehlenswert. Dabei sollten Sie auch die Ablaufrinne für Tauwasser (bei älteren Modellen) überprüfen. Die Lüftungsgitter an der Rückseite sollten Sie mindestens einmal im Jahr staubsaugen, da eine Staubschicht wie eine Isolierdecke wirkt und die Wärmeabgabe behindert.
Lohnt sich der Austausch eines alten, aber funktionierenden Kühlschranks?
Oft ja. Ein Kühlschrank, der älter als 10-15 Jahre ist, verbraucht häufig mehr als das Doppelte an Strom im Vergleich zu einem aktuellen Modell der besten Energieeffizienzklasse. Die Ersparnis von oft über 50 Euro pro Jahr kann die Anschaffungskosten innerhalb weniger Jahre amortisieren. Förderprogramme, etwa von der KfW, können den Austausch zusätzlich attraktiv machen.
Was ist der größte Energiefresser im Umgang mit dem Kühlschrank?
Abgesehen von einem technisch veralteten Gerät selbst sind es drei Faktoren: 1. Eine zu niedrig eingestellte Temperatur. 2. Defekte oder verschmutzte Türdichtungen, die kalte Luft entweichen lassen. 3. Eine zu warme Aufstellumgebung (z.B. neben dem Herd oder in der Sonne). Die Behebung dieser Punkte bringt die größte und einfachste Ersparnis. Weitere Tipps finden Sie in unserem speziellen Artikel, wie Sie Ihren Kühlschrank energiesparend nutzen.
Quellen & weiterführende Links
- Verbraucherzentrale Deutschland – Unabhängige Verbraucherberatung.
- Umweltbundesamt – Fachinformationen zu Energieeffizienz und Umwelt.
- Stiftung Warentest – Produkttests und Ratgeber.
- Bundeszentrum für Ernährung – Informationen zur richtigen Lagerung von Lebensmitteln.
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