Die hohen Heizkosten im Altbau sind für viele Haushalte eine echte Belastung. Die hohen Decken, die oft undichten Fenster und die weniger effiziente Dämmung können das Heizen teuer machen. Aber: Es gibt viele wirksame und oft kostengünstige Maßnahmen, mit denen du deine Heizkosten im Altbau reduzieren kannst – egal ob du zur Miete wohnst oder Eigentümer:in bist.
In diesem Artikel findest du keine Wundermittel, sondern praktische, alltagstaugliche Tipps. Viele davon kosten wenig bis gar kein Geld, sondern erfordern nur ein wenig Aufmerksamkeit und eine Änderung der Gewohnheiten. Andere sind kleine Investitionen, die sich oft innerhalb einer Heizperiode amortisieren. Wir schauen uns an, was du selbst tun kannst und wo vielleicht die Zusammenarbeit mit Vermieter:in oder Fachleuten sinnvoll ist.
Warum ist das Heizen im Altbau oft so teuer?
Bevor wir zu den Tipps kommen, lohnt ein kurzer Blick auf die Gründe. Altbauten – besonders solche, die vor 1978 gebaut wurden – wurden oft mit anderen Prioritäten errichtet. Energieeffizienz stand selten im Vordergrund.
* Dämmung: Oft fehlt eine moderne Fassaden-, Dach- oder Kellerdeckendämmung. Die Wände sind kalt, die Wärme entweicht leicht nach draußen.
* Fenster und Türen: Einfachverglasung oder alte Doppelverglasung sind große Schwachstellen. Undichte Fugen lassen zudem Zugluft herein.
* Heizungsanlage: Oft sind die Heizkessel veraltet und arbeiten nicht im optimalen, sparsamen Modus. Die Heizungsrohre in unbeheizten Räumen sind vielleicht nicht gedämmt.
* Bauphysik: Hohe Räume bedeuten mehr Volumen zu beheizen. Kalte Fußböden (über unbeheizten Kellern) sorgen für ein unbehagliches Gefühl.
Die gute Nachricht: An fast all diesen Punkten kannst du etwas verbessern, um deine Heizkosten im Altbau zu reduzieren.
Tipp 1: Die Heizung richtig einstellen und entlüften
Das ist der Klassiker – und er wirkt! Eine falsch eingestellte Heizung verschwendet Energie und Geld.
Thermostatventile verstehen
Die Zahlen auf dem Thermostat (1-5) stehen nicht für Grad Celsius, sondern für eine gewünschte Raumtemperatur. Stufe 3 entspricht etwa 20°C. Jedes Grad weniger spart nach Angaben der Verbraucherzentrale rund 6% Heizkosten. Ein guter Richtwert:
* Wohnzimmer: 20-21°C (Stufe 3)
* Schlafzimmer: 16-18°C (Stufe 2)
* Küche: 18-19°C (Stufe 2-3, da Herd und Kühlschrank mitheizen)
* Flur/Bad (wenn nicht genutzt): 15-16°C (Stufe 1-2)
Regelmäßig entlüften
Gluckert dein Heizkörper? Dann ist Luft drin. Diese Luft blockiert den warmen Wasserfluss. Der Heizkörper wird nicht mehr richtig warm, obwohl die Pumpe arbeitet – pure Verschwendung. Mit einem Entlüftungsschlüssel (gibt es für wenige Euro im Baumarkt) und einem kleinen Gefäß kannst du das Problem in wenigen Minuten beheben. Wichtig: Danach den Wasserdruck in der Heizungsanlage prüfen (lassen), da er durch das Entlüften sinkt.
Tipp 2: Clever lüften statt Dauerkipp
Frische Luft ist wichtig, aber das gekippte Fenster über Stunden ist der größte Feind einer niedrigen Heizkostenabrechnung. Beim Kippen kühlen vor allem die Wandbereiche um das Fenster aus, ohne dass ein effektiver Luftaustausch stattfindet.
Besser: Stoßlüften!
* Heizung runterdrehen: Vor dem Lüften das Thermostatventil schließen.
* Fenster ganz öffnen: Ideal sind gegenüberliegende Fenster für Durchzug.
* Dauer: 5-10 Minuten reichen völlig aus, um die verbrauchte Luft gegen frische auszutauschen.
* Häufigkeit: 2-4 mal am Tag, je nach Personenzahl und Aktivität.
So bleibt die Wärme in den Wänden und Möbeln gespeichert, und die frische Luft kann schnell wieder auf behagliche Temperatur gebracht werden.
Tipp 3: Wärmeverluste aufspüren und abdichten
Altbauten haben oft versteckte Zugluftlöcher. Diese zu finden und abzudichten, ist eine der effektivsten Maßnahmen, um Heizkosten im Altbau zu reduzieren.
Typische Schwachstellen:
* Fenster- und Türrahmen: Fühle mit der Hand oder einem angefeuchteten Finger entlang der Dichtungen. Wo es zieht, hilft oft schon ein neuer Dichtungsprofil aus dem Baumarkt.
* Briefkästen und Katzenklappen: Spezielle Dichtungen oder Bürstensysteme minimieren den Luftzug.
* Rollladenkästen: Oft sind sie nach hinten offen und leiten kalte Luft in die Wand. Spezielle Dämm-Sets zum Nachrüsten sind erhältlich.
* Steckdosen an Außenwänden: Spezielle, dünne Dämm-Unterlegscheiben aus dem Baumarkt können hier helfen.
Tipp 4: Nachts und bei Abwesenheit runterdrehen – aber richtig
Sollte man nachts die Heizung komplett ausschalten? Nicht unbedingt. Ein zu starkes Auskühlen der Wohnung erfordert am Morgen sehr viel Energie, um wieder auf Wohlfühltemperatur zu kommen. Zudem steigt die Schimmelgefahr, wenn die Luft zu stark abkühlt und die Feuchtigkeit an den kalten Wänden kondensiert.
Die goldene Regel: Absenken, nicht abstellen.
* Nachts: Temperatur in Wohnräumen auf 16-18°C absenken (Stufe 2).
* Bei längerer Abwesenheit (Arbeit): Auf 17-18°C absenken.
* Bei Abwesenheit über mehrere Tage: Je nach Jahreszeit auf 15°C (Stufe 1-2) einstellen.
Programmierbare Thermostatköpfe können diese Aufgabe vollautomatisch übernehmen. Sie sind eine sinnvolle kleine Investition.
Praktischer Helfer für deinen Haushalt
Wenn du ein passendes Strommessgerät für den Haushalt suchst, findest du bei großen Händlern wie Amazon viele Modelle
mit unterschiedlichen Funktionen und Preisklassen. Achte vor allem auf Energieeffizienz, einfache Bedienung
und verlässliche Kundenbewertungen.
Hinweis: Es handelt sich um einen unverbindlichen Hinweis, keine Beratung und keine Garantie für einzelne Produkte.
Warum sind programmierbare oder smarte Thermostate sinnvoll?
Sie nehmen dir das Denken ab. Du programmierst einmal deine gewünschten Zeiten und Temperaturen (z.B. „um 7 Uhr morgens auf 21°C, um 9 Uhr auf 17°C, um 17 Uhr wieder auf 21°C“) und das Ventil regelt automatisch. So heizt du nur, wenn du es wirklich brauchst, und vergisst nie, die Heizung runterzudrehen. Smarte Modelle lassen sich sogar per App von unterwegs steuern. Für Mieter sind sie in der Regel einfach durch Austausch des alten Thermostatkopfes zu installieren und beim Auszug wieder rückzubauen.
Tipp 5: Heizkörper freistellen und nutzen
Achte darauf, dass deine Heizkörper nicht durch Möbel oder lange Vorhänge verdeckt sind. Die Wärme muss sich im Raum ausbreiten können. Ein Sofa direkt vor dem Heizkörper blockiert die Wärmeabgabe und lässt die Heizung unnötig lange laufen.
Auch das regelmäßige Säubern der Heizkörper (Staub) verbessert die Wärmeabgabe. Hinter den Heizkörpern an der Außenwand kannst du spezielle Reflexionsfolien anbringen. Sie reflektieren die Wärmestrahlung zurück in den Raum, statt sie in die kalte Wand zu leiten. Das ist ein einfacher und preiswerter Trick mit sofortiger Wirkung.
Tipp 6: Türen schließen
Halte die Türen zu weniger beheizten Räumen (Schlafzimmer, Flur) geschlossen. So kann die warme Luft aus dem Wohnzimmer nicht in den kühleren Flur entweichen und dort unnötig Energie verbrauchen. Das hilft auch, unterschiedliche Temperaturzonen im Haus klar zu trennen.
Tipp 7: Elektronische Helfer für die Heizungssteuerung
Neben den programmierbaren Thermostaten gibt es weitere Tools:
* Funk-Heizkörperthermostate: Ideal, wenn du die Heizung in mehreren Räumen zentral steuern möchtest.
* Smarte Heizungssteuerungen: Sie lernen dein Verhalten, reagieren auf offene Fenster oder steuern die Heizung basierend auf der Wettervorhersage.
* Raumthermometer mit Hygrometer: Sie zeigen dir genau, wo es vielleicht zu kalt oder zu feucht ist. So kannst du gezielt gegensteuern und Schimmel vorbeugen.
Tipp 8: Rollläden und Vorhänge als zusätzliche Dämmschicht nutzen
Mit Einbruch der Dunkelheit: Rollläden runter, Vorhänge zu! Eine geschlossene Rolllade oder ein dichter Vorhang vor dem Fenster schafft eine isolierende Luftschicht zwischen Glas und Raum. Das kann spürbar verhindern, dass Wärme nach außen abgegeben wird. Achte nur darauf, dass die Vorhänge nicht direkt über dem Heizkörper hängen und ihn verdecken.
Tipp 9: Fußböden und Wände behaglicher machen
Kalte Füße lassen uns frieren, auch wenn die Lufttemperatur okay ist. Teppiche in Altbauten sind nicht nur gemütlich, sie verbessern auch das Fußbodenklima und verringern das Kältegefühl. An kalten Außenwänden können Regale oder Bilder (mit etwas Abstand) helfen, die Luftzirkulation zu minimieren und das Gefühl der „Kälteabstrahlung“ zu reduzieren.
Tipp 10: Die Heizungsanlage optimieren (für Eigentümer:innen und in Absprache mit Vermieter:innen)
Hier geht es um größere Maßnahmen, die aber langfristig die Heizkosten im Altbau reduzieren können:
* Hydraulischen Abgleich durchführen lassen: Ein Fachmann stellt sicher, dass alle Heizkörper im Haus mit der genau richtigen Wassermenge versorgt werden. So wird kein Raum über- und ein anderer unterversorgt. Das spart Energie und erhöht den Komfort.
* Heizungspumpe tauschen: Alte Umwälzpumpen sind oft wahre Stromfresser. Moderne Hocheffizienzpumpen passen ihre Leistung dem Bedarf an und sparen bis zu 80% Strom.
* Heizungsrohre dämmen: In unbeheizten Kellern oder Dachböden verlaufende Rohre sollten gedämmt sein, damit die Wärme nicht schon auf dem Weg zum Heizkörper verloren geht.
Tipp 11: Heizkosten fair verteilen (mit Heizkostenverteilern)
In vielen Altbau-Mietshäusern hängen an den Heizkörpern kleine Geräte – die Heizkostenverteiler. Sie messen nicht den Verbrauch, sondern die Temperaturdifferenz zwischen Heizkörper und Raum. Wichtig zu wissen: Sie erfassen nur den relativen Verbrauch. Dein Anteil an der Gesamtrechnung errechnet sich aus dem Verbrauch aller Verteiler im Haus. Ein faires System, wenn es richtig eingestellt ist. Dein Beitrag: Bewusst heizen, dann schlagen sich deine Sparbemühungen auch in deinem Verbrauchswert nieder.
Tipp 12: Energieberatung in Anspruch nehmen
Du bist Eigentümer:in eines Altbaus und überlegst größere Sanierungen? Oder du wohnst zur Miete und hast das Gefühl, trotz aller Maßnahmen extrem hohe Kosten zu haben? Dann kann eine energetische Beratung sinnvoll sein. Die Verbraucherzentralen oder unabhängige Energieberater:innen können dein Gebäude analysieren und die für dich wirtschaftlichsten Maßnahmen vorschlagen. Für Eigentümer:innen gibt es oft sogar staatliche Zuschüsse für diese Beratung.
[[IMAGE_BODY2_PROMPT: Ein Energieberater zeigt mit einem Laser-Thermometer auf eine Außenwand eines Altbaus, während die Hausbesitzerin zuhört. Sachliche, berufliche Atmosphäre.]
Fazit: Jedes Grad und jede Dichtung zählt
Die Heizkosten im Altbau zu reduzieren ist ein Marathon, kein Sprint. Es geht nicht um eine einzige große Maßnahme, sondern um das Zusammenspiel vieler kleiner Schritte. Beginne mit den kostenlosen Tipps wie richtigem Lüften und Temperatur-Absenken. Dann folgen die kleinen Investitionen in Dichtungen oder programmierbare Thermostate. Sprich bei größeren Ideen wie der Heizungsoptimierung mit deinem Vermieter oder deiner Vermieterin – oft haben auch sie ein Interesse an einer effizienteren Anlage.
Mit etwas Aufmerksamkeit und diesen praktischen Tipps kannst du ein behagliches Zuhause schaffen und gleichzeitig deine Kosten im Griff behalten. Es lohnt sich – für dein Portemonnaie und die Umwelt.






