
Die Psychologie des Aufschiebens: Warum wir Ordnung vermeiden und wie wir es ändern
Sie wissen genau, dass Sie den Kleiderschrank ausmisten oder die Ablage sortieren müssten. Sie wollen es auch. Aber irgendwie schieben Sie es immer wieder auf. Dieses Phänomen ist weit mehr als nur Faulheit – es ist ein komplexes psychologisches Muster. Warum fällt es uns so schwer, Ordnung zu schaffen und zu halten? Und wie können wir diese innere Blockade überwinden?
Die inneren Saboteure: Psychologische Gründe für das Aufschieben
Das Aufschieben von Ordnungsaufgaben hat selten etwas mit der Aufgabe selbst zu tun. Vielmehr sind es emotionale und kognitive Hürden, die uns blockieren. Ein zentraler Faktor ist die Angst vor der Überforderung. Ein voller Kleiderschrank oder ein chaotischer Schreibtisch wirken wie eine riesige, unlösbare Aufgabe. Unser Gehirn reagiert darauf mit Stress und sucht nach Auswegen – meist in Form von Ablenkung.
Ein weiterer häufiger Grund ist die Perfektionismusfalle. Der Gedanke „Wenn ich schon aufräume, dann muss es auch perfekt und endgültig sein“ ist so einschüchternd, dass wir lieber gar nicht anfangen. Hinzu kommt, dass Aufräumarbeit oft als nicht belohnend empfunden wird; der Aufwand erscheint groß, der unmittelbare „Lohn“ jedoch gering.
Vom Wissen zum Handeln: Effektive Strategien gegen die Prokrastination
Glücklicherweise gibt es wirksame Gegenmittel, die auf diesen psychologischen Mechanismen aufbauen. Der Schlüssel liegt darin, die überwältigende Aufgabe in handhabbare Portionen zu zerlegen und sich selbst unmittelbare Erfolgserlebnisse zu verschaffen.
Die 5-Minuten-Regel: Der Trick mit der kleinen Zusage
Verabreden Sie sich mit sich selbst für nur fünf Minuten. Sagen Sie: „Ich räume jetzt nur fünf Minuten lang diese eine Schublade auf.“ Das überwindet den anfänglichen Widerstand, weil die Hürde minimal ist. In den allermeisten Fällen führt die begonnene Tätigkeit dazu, dass Sie länger weitermachen – der schwierigste Schritt, der Anfang, ist bereits getan.
Visualisieren Sie das Ergebnis, nicht den Prozess
Statt an die mühsame Arbeit des Sortierens zu denken, stellen Sie sich lebhaft vor, wie es sich anfühlen wird, einen aufgeräumten und organisierten Kleiderschrank zu öffnen und sofort das Richtige zu finden. Diese positive emotionale Verankerung des Ziels kann ein stärkerer Motivator sein als der dräuende Gedanke an das Chaos.
Belohnen Sie sich systematisch
Bauen Sie bewusst kleine Belohnungen ein. Nachdem Sie einen Bereich, wie zum Beispiel Ihre Ablage, strukturiert haben, gönnen Sie sich eine Tasse guten Kaffee oder eine kurze Pause. Dies verknüpft die ungeliebte Tätigkeit mit einem positiven Gefühl.
Wissenschaftlich fundierte Methoden im Überblick
Verschiedene Ansätze setzen an unterschiedlichen psychologischen Hebeln an.
| Methode | Prinzip | Geeignet für… |
| :— | :— | :— |
| **Pomodoro-Technik** | Arbeit in 25-Minuten-Blöcken mit kurzen Pausen. Unterbricht den Prokrastinationszyklus durch zeitliche Begrenzung. | Konzentrierte Aufräumaktionen (z.B. Büro, Papierkram). |
| **KonMari-Methode** | Behalte nur Dinge, die „Freude bereiten“. Adressiert die emotionale Bindung an Besitz. | Fundamentales Ausmisten und Entrümpeln ganzer Kategorien. |
| **Getting Things Done (GTD)** | Alle Aufgaben aus dem Kopf in ein vertrauenswürdiges System erfassen. Reduziert kognitive Last und Angst, etwas zu vergessen. | Planung und Strukturierung von regelmäßigen Ordnungsaufgaben. |
| **1-Minute-Regel** | Was in einer Minute erledigt werden kann, wird sofort gemacht. Verhindert die Anhäufung vieler kleiner Aufgaben. | Alltägliche Ordnungserhaltung (z.B. abwaschen, wegräumen). |
Langfristig dauerhaft Ordnung halten: Vom Projekt zur Routine
Die einmalige Aufräumaktion ist das eine. Die größere Herausforderung ist es, dauerhaft Ordnung zu halten. Hier geht es um die Etablierung von Gewohnheiten. Integrieren Sie kleine Ordnungsrituale fest in Ihren Tagesablauf. Nehmen Sie sich jeden Abend fünf Minuten, um die Wohnung „zurückzusetzen“.
Entwickeln Sie einfache Systeme, die es leicht machen, Dinge an ihren Platz zu legen, statt sie irgendwo abzulegen. Ein durchdachtes Organisationssystem für den Kleiderschrank ist hierfür ein perfektes Beispiel. Wenn das Wegräumen einfacher ist als das Liegenlassen, gewinnen Sie den Kampf gegen die Prokrastination auf lange Sicht.
Häufige Fragen zur Psychologie des Aufschiebens
Ist Aufschieben immer schlecht?
Nicht unbedingt. Manchmal ist es ein Zeichen dafür, dass eine Aufgabe nicht priorisiert ist oder dass wir eine Pause brauchen. Problematisch wird es, wenn es zu Leidensdruck führt und wichtige Lebensbereiche beeinträchtigt.
Ich fange voll motiviert an, höre aber schnell wieder auf. Woran liegt das?
Oft liegt das an zu großen, unklaren Zielen („Ich räume die ganze Wohnung auf“). Brechen Sie das Vorhaben in mikroskopisch kleine, konkrete Schritte herunter („Ich sortiere die Bücher in diesem Regal nach Farbe“). Jeder abgeschlossene Schritt gibt ein Erfolgserlebnis und motiviert zum Weitermachen.
Hilft es, mit anderen zusammen aufzuräumen?
Ja, sehr. Soziale Verpflichtung und gegenseitige Unterstützung können starke Motivatoren sein. Zudem bringt eine andere Person oft eine frische, unvoreingenommene Perspektive ein.
Quellen
Ordnung schaffen: Ideen & Tipps für jede Situation
Gut organisiert: 10 Tipps für mehr Ordnung im Haushalt – Houzz
Aufräumen und Ausmisten nach Marie Kondo und Co
Dauerhaft Ordnung halten: Zeitlose Tipps für ein aufgeräumtes Zuhause
5 Tipps für mehr Organisation und Ordnung im Haushalt
Aufräumen und Ordnung: 5 praktische Tipps vom Profi






