
Sie zahlen für Strom, den Sie gar nicht aktiv nutzen? Der Standby-Modus vieler Elektrogeräte verursacht oft unnötige Kosten, die sich im Laufe eines Jahres zu einer beachtlichen Summe addieren. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen nicht nur, wie Sie diese versteckten Kosten konkret berechnen, sondern auch, wie Sie sie mit pragmatischen Maßnahmen effektiv reduzieren.
Was ist Standby-Verbrauch und warum kostet er Sie Geld?
Standby-Verbrauch (auch Leerlaufverlust genannt) bezeichnet den Strom, den ein Gerät aufnimmt, obwohl es seine Hauptfunktion nicht erfüllt. Das Gerät ist scheinbar aus, bleibt aber netzverbunden, um beispielsweise eine Fernbedienung zu empfangen, eine Uhr anzuzeigen, ein Netzwerk auf Updates zu prüfen oder schnell wieder startbereit zu sein. Diese permanente, kleine Leistungsaufnahme summiert sich über 8.760 Stunden im Jahr zu einem relevanten Verbrauch. Laut der Umweltbundesamt entfallen in deutschen Haushalten durchschnittlich etwa 10 % des Stromverbrauchs auf Leerlaufverluste. Das sind Kosten, die Sie mit dem richtigen Wissen und minimalem Aufwand vermeiden können.
So messen Sie den Standby-Verbrauch Ihrer Geräte richtig
Um gezielt sparen zu können, müssen Sie zunächst wissen, welche Ihrer Geräte wie viel „heimlichen“ Strom verbrauchen. Hierfür gibt es zwei zuverlässige Methoden.
Methode 1: Messen mit einem Energiekostenmessgerät
Die präziseste Methode ist die Nutzung eines Energiekostenmessgeräts (auch Strommessgerät genannt). Dieses stecken Sie zwischen Steckdose und das zu prüfende Gerät. Schalten Sie das Gerät in den Standby-Modus (also den Zustand, in dem es normalerweise verweilt). Das Messgerät zeigt Ihnen nun die aktuelle Leistungsaufnahme in Watt (W) an. Lassen Sie es für 24 Stunden angeschlossen, um auch Geräte mit schwankendem Standby-Verbrauch (z.B. Router) genau zu erfassen. Eine detaillierte Anleitung zum Messprozess finden Sie in unserem separaten Artikel Standby-Verbrauch messen und Stromkosten berechnen.
Methode 2: Abschätzen über Typenschild und Erfahrungswerte
Falls Sie kein Messgerät zur Hand haben, können Sie den Verbrauch abschätzen. Suchen Sie am Gerät oder im Handbuch nach dem Typenschild. Moderne Geräte müssen den Standby-Verbrauch oft in Watt angeben. Fehlt dieser Wert, helfen Erfahrungswerte. Ältere Geräte, besonders in der Unterhaltungselektronik, haben oft einen deutlich höheren Standby-Verbrauch als neuere Modelle. Unsere Tabelle weiter unten bietet Ihnen gute Anhaltspunkte.
Standby-Kosten in Euro umrechnen: Ihre persönliche Rechnung
Die gemessene Leistung in Watt ist nur der erste Schritt. Die entscheidende Frage lautet: Was kostet mich das im Jahr? Die Umrechnung ist einfach:
Jahresverbrauch (kWh) = (Leistung in Watt × Stunden im Jahr) / 1.000
Jahreskosten (€) = Jahresverbrauch (kWh) × Strompreis (€/kWh)
Gehen Sie von 8.760 Stunden pro Jahr aus. Setzen Sie für den Strompreis Ihren aktuellen Arbeitspreis pro kWh ein (finden Sie auf Ihrer Stromrechnung). Bei einem angenommenen Preis von 40 Cent pro kWh kostet jedes Watt Standby-Leistung etwa 3,50 € im Jahr.
Beispielrechnung für einen typischen Haushalt
Ein älterer Fernseher (3 W Standby), eine Spielekonsole im Bereitschaftsmodus (5 W), ein netzwerkfähiger Drucker (5 W) und eine Kaffeemaschine mit Display (4 W) verbrauchen zusammen 17 Watt im Standby.
Jahresverbrauch: (17 W × 8.760 h) / 1.000 = 148,92 kWh
Jahreskosten (bei 0,40 €/kWh): 148,92 kWh × 0,40 € = ca. 59,57 €
Das sind fast 60 €, die jährlich für „Nichts“ ausgegeben werden. Wie Sie solche Kosten vermeiden, zeigen wir in unserem Guide Standby-Kosten senken.
Die größten Standby-Stromfresser im Haushalt – eine Checkliste
Gehen Sie mit dieser Checkliste systematisch durch Ihre Wohnung und prüfen Sie besonders diese Gerätegattungen.
Unterhaltungselektronik: TV, Receiver & Co.
- Fernseher & Soundsysteme: Besonders ältere Modelle und Komplettanlagen mit mehreren Einzelgeräten sind kritisch.
- Receiver (Sat, Kabel, Streaming): Oft dauerhaft eingeschaltet, um Programmupdates zu empfangen.
- Spielekonsolen: Der „Bereitschaftsmodus“ für Hintergrund-Downloads verbraucht merkbar Strom.
Home-Office und Kommunikation: Router, Drucker, Ladegeräte
- Router & Modem: Müssen meist dauerhaft laufen, aber sehr alte Modelle können unnötig viel verbrauchen.
- Drucker (insb. Tintenstrahl): Netzwerkfähige Drucker halten sich oft warm, um schnell einsatzbereit zu sein.
- Ladegeräte & Steckernetzteile: In der Steckdose gelassen, verbrauchen sie auch ohne angeschlossenes Gerät Strom („Leerlaufverluste“).
Küche und Haushalt: Kaffeemaschine, Mikrowelle, Waschmaschine
- Kaffeevollautomaten: Das beleuchtete Display und die warmgehaltene Brüheinheit sind große Verbraucher.
- Mikrowelle mit Uhr: Das digitale Ziffernblatt läuft permanent.
- Waschmaschine & Trockner: Elektronische Steuerungen mit beleuchtetem Aus-Schalter ziehen Strom.
- Elektroherd mit Uhr: Ähnlich wie die Mikrowelle.
Für weitere versteckte Energiefresser lesen Sie auch unseren Artikel 5 versteckte Energiefresser im Haushalt.
| Gerät | Durchschnittlicher Standby-Verbrauch (Watt) | Jährliche Kosten in Euro |
|---|---|---|
| Fernseher (älteres Modell) | 1-5 Watt | 3,50 – 17,50 € |
| Spielekonsole (Bereitschaftsmodus) | 2-10 Watt | 7,00 – 35,00 € |
| Kaffeemaschine mit Display | 3-6 Watt | 10,50 – 21,00 € |
| Mikrowelle mit Uhr | 2-4 Watt | 7,00 – 14,00 € |
| Drucker (netzwerkfähig) | 4-8 Watt | 14,00 – 28,00 € |
| Ladegerät (angeschlossen, ohne Gerät) | 0,1-0,5 Watt | 0,35 – 1,75 € |
Praktische Maßnahmen: So reduzieren Sie Standby-Kosten effektiv
Intelligente Steckdosenleisten: Die einfachste Lösung
Die bequemste und effektivste Methode sind Steckdosenleisten mit Schalter oder Master-Slave-Funktion. Bei Letzteren schaltet die Leiste automatisch alle „Slave“-Geräte (z.B. Lautsprecher, Receiver) ab, sobald das „Master“-Gerät (z.B. der Fernseher) ausgeschaltet wird. Funksteckdosen oder smarte Steckdosen, die Sie per App oder Zeitschaltuhr steuern, bieten zusätzlichen Komfort.
Geräteeinstellungen optimieren: Eco-Modus & Abschaltfunktionen
Gehen Sie in die Einstellungen Ihrer Geräte. Deaktivieren Sie bei Druckern, Konsolen und Monitoren den „Schnellstart“- oder „Bereitschafts“-Modus zugunsten eines echten Eco-Modus. Viele Router bieten eine Zeitschaltuhr für das WLAN. Nutzen Sie die automatische Abschaltfunktion bei Kaffeemaschinen.
Routinen entwickeln: Der manuelle Steckerziehtrick
Für Geräte, die Sie selten nutzen (z.B. Gäste-WLAN-Repeater, selten benutzte Ladegeräte, Drucker am Wochenende), lohnt sich das manuelle Ziehen des Steckers. Entwickeln Sie eine Routine, z.B. vor dem Schlafengehen oder beim Verlassen der Wohnung.
| Maßnahme | Investition (ca.) | Jährliche Ersparnis (Beispielhaushalt) | Amortisationszeit |
|---|---|---|---|
| Manuelles Ziehen des Steckers | 0 € | Bis zu 100 € | Sofort |
| Master-Slave-Steckdosenleiste | 15 – 40 € | 30 – 70 € | < 1 Jahr |
| Funksteckdosen-Set | 30 – 80 € | 20 – 50 € | 1-2 Jahre |
| Austausch alter Geräte (Neukauf) | Variabel | 5 – 30 € pro Gerät | Mehrere Jahre |
Langfristig sparen: Beim Gerätekauf auf niedrigen Standby-Verbrauch achten
Die EU hat Grenzwerte für den Standby-Verbrauch festgelegt. Achten Sie beim Neukauf darauf, dass Geräte diese einhalten oder deutlich unterschreiten.
Das EU-Energielabel und der Standby-Modus
Das Energielabel für viele Geräteklassen gibt oft auch Auskunft über den Jahresenergieverbrauch – dieser kann indirekt Rückschlüsse auf die Effizienz im Betrieb und Standby zulassen. Noch besser: Prüfen Sie die technischen Datenblätter oder Produktseiten der Hersteller. Der Standby-Verbrauch sollte explizit unter 0,5 Watt liegen, um als sehr effizient zu gelten. Diese Überlegungen sind auch bei großen Geräten wie Kühlschränken oder Trocknern wichtig.
Fragen an den Verkäufer: Worauf Sie achten sollten
- „Wie hoch ist der Stromverbrauch im ausgeschalteten Zustand (Standby) und im Netzwerk-Bereitschaftsmodus?“
- „Besitzt das Gerät einen echten Netzschalter oder nur einen Soft-Off-Button?“
- „Kann der Schnellstart-Modus deaktiviert werden?“
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Standby-Kosten
Was versteht man genau unter Standby-Verbrauch?
Standby-Verbrauch ist der Strom, den ein Elektrogerät aufnimmt, wenn es seine Hauptfunktion nicht erfüllt, aber noch mit dem Netz verbunden ist. Es ist scheinbar „aus“, verbraucht aber weiterhin Energie für Funktionen wie Fernbedienungsempfang, Uhrenanzeige oder Netzwerkbereitschaft.
Wie kann ich den Standby-Verbrauch ohne Messgerät abschätzen?
Sie können den Verbrauch über das Typenschild am Gerät abschätzen, wo oft die maximale Leistungsaufnahme oder speziell der Standby-Verbrauch in Watt angegeben ist. Fehlt dies, helfen Erfahrungswerte (siehe unsere Tabelle) oder Sie nutzen unseren allgemeinen Leitfaden zum Berechnen des Stromverbrauchs.
Sind Steckerleisten mit Schalter eine sichere Lösung für alle Geräte?
Für die meisten Geräte wie Unterhaltungselektronik, Küchenkleingeräte und Computerzubehör sind sie ideal und sicher. Kritisch können nur Geräte mit internen Zeitschaltuhren oder wichtigen Speicherfunktionen sein (z.B. einige ältere Sat-Receiver). Bei Zweifeln konsultieren Sie die Bedienungsanleitung.
Schadet das häufige Ziehen des Steckers meinen Elektrogeräten?
Nein, bei modernen Geräten schadet es in der Regel nicht. Es ist sogar oft besser für den Stromverbrauch als ein dauerhafter Standby-Betrieb. Achten Sie darauf, den Stecker am Gehäuse und nicht am Kabel zu ziehen, um dieses zu schonen.
Welche Geräte sollten dauerhaft am Netz bleiben (z.B. Kühlschrank, Router)?
Geräte, die eine Grundfunktion erfüllen müssen, bleiben natürlich angeschlossen: Kühl- und Gefrierschränke, Heizungspumpen, Alarmanlagen, Haustürsprechanlagen und in der Regel auch Ihr Router/Modem für Telefonie und Internet. Für alle anderen gilt: abschalten, wenn sie nicht gebraucht werden.
Wo finde ich den Standby-Verbrauch auf dem Typenschild oder Energielabel?
Das Typenschild (ein kleines Etikett oft auf der Geräterückseite) listet technische Daten. Suchen Sie nach „Standby power“, „Leerlaufleistung“ oder „Verbrauch im Aus-Zustand“ in Watt (W). Auf dem Energielabel ist er seltener direkt zu finden, aber im zugehörigen Produktdatenblatt der Hersteller meist verpflichtend angegeben.
Kann ich den Standby-Modus bei meinem Router oder Drucker komplett deaktivieren?
Bei vielen Geräten ja. In den erweiterten Einstellungen des Routers (Webinterface) finden Sie oft Optionen zur Reduzierung der Sendeleistung oder zum zeitgesteuerten Abschalten des WLAN. Bei Druckern können Sie in den Menüs den „Energiesparmodus“ aktivieren und den „Schnellstart“ deaktivieren, was den Standby-Verbrauch minimiert.
Lohnt sich die Anschaffung von smarten Steckdosen zum Stromsparen?
Das hängt vom Einzelfall ab. Smarte Steckdosen verbrauchen selbst etwas Strom (ca. 1-2 Watt). Sie lohnen sich besonders für schwer erreichbare Steckdosen oder wenn Sie Automatisierungen (Zeitschaltuhren, Fernsteuerung per App) nutzen möchten. Für einfache Gerätegruppen sind mechanische Schaltleisten oft die kostengünstigere und effizientere Lösung.
Quellen & weiterführende Links
- Verbraucherzentrale – Unabhängige Beratung zu Energiesparthemen.
- Umweltbundesamt – Daten und Hintergründe zu Energieverbräuchen in Haushalten.
- Stiftung Warentest – Praktische Tests und Verbrauchertipps zu Elektrogeräten.
- Stromverbrauch Kühlschrank berechnen – Spezifische Anleitung für ein Großgerät.
- Standby Verbrauch erkennen – Vertiefender Artikel zur Identifikation von Stromfressern.
Weiterführende Artikel auf HaushaltPilot
- Standby Verbrauch erkennen: So finden Sie versteckte Energiefresser
- So senken Sie Ihre Stromrechnung: 5 versteckte Energiefresser im Haushalt
- Energiesparende Kühlschränke: So senken Sie Ihre Stromkosten richtig
- Trockner energiesparend nutzen: 7 Tipps für niedrige Stromkosten
- Standby Kosten senken: So reduzieren Sie versteckte Stromkosten effektiv
- Diese 4 Energiespartipps für Kühlschränke sollten Sie vermeiden | HaushaltPilot
- Stromverbrauch Kühlschrank berechnen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Stromverbrauch kWh berechnen: So ermitteln Sie den Verbrauch Ihrer Geräte
- Standby-Verbrauch messen und Stromkosten berechnen | Praktische Anleitung
- Energiesparende Kühlschränke und Trockner: So senken Sie Ihre Stromkosten effektiv






