
Ein leuchtendes Lämpchen am Fernseher, ein Display an der Kaffeemaschine oder die warme Netzteile von Ladegeräten – viele Geräte verbrauchen auch dann Strom, wenn sie scheinbar ausgeschaltet sind. Diese versteckten Kosten summieren sich im Jahr zu einer beachtlichen Summe. Mit der richtigen Methode können Sie diese Energiefresser jedoch enttarnen und Ihre Stromrechnung effektiv senken.
Was ist Standby-Verbrauch und warum ist er teuer?
Unter Standby-Verbrauch (auch Leerlaufverlust genannt) versteht man den Strom, den ein elektrisches Gerät aufnimmt, obwohl es seine Hauptfunktion nicht erfüllt. Das Gerät ist also nicht komplett vom Netz getrennt. Typische Funktionen im Standby-Betrieb sind:
- Bereitschaft für eine Fernbedienung (z. B. bei Fernsehern)
- Laufende interne Uhr oder Display (z. B. bei Mikrowellen)
- Netzwerkfunktionen für schnellen Start („Schnellstart“-Modus)
- Ladestand-Anzeige bei Akkugeräten
Die Kosten entstehen, weil dieser Verbrauch 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr anfällt. Selbst wenige Watt Leistung summieren sich über die Zeit zu mehreren zehn Euro pro Gerät und Jahr. Eine genaue Übersicht über Ihren Gesamtverbrauch erhalten Sie, indem Sie Ihren Stromzähler lesen und verstehen.
So messen Sie den Standby-Verbrauch selbst
Um den heimlichen Stromverbrauch zu erkennen, benötigen Sie kein Fachwissen. Die einfachste Methode ist die Verwendung eines Energiemessgeräts (auch Strommessgerät oder Energiekostenmessgerät genannt). So gehen Sie vor:
- Stecken Sie das Messgerät in die Steckdose.
- Verbinden Sie das zu testende Gerät mit dem Messgerät.
- Schalten Sie das Gerät mit seiner Fernbedienung oder dem Hauptschalter in den Standby- oder „Aus“-Zustand.
- Lesen Sie die angezeigte Leistung in Watt (W) ab. Dieser Wert ist der Standby-Verbrauch.
Falls Sie kein Messgerät zur Hand haben, können Sie den Verbrauch auch grob abschätzen, indem Sie prüfen, ob das Gerät warm wird, leuchtet oder ein Display aktiv ist. Eine genauere Methode ist die Berechnung über die Stromverbrauch kWh Berechnung.
Typische Standby-Sünder im Haushalt im Check
Nicht alle Geräte sind gleich heimliche Stromfresser. Die folgende Tabelle zeigt den durchschnittlichen Standby-Verbrauch gängiger Haushaltsgeräte. Die Werte können je nach Modell und Alter stark variieren.
| Gerätetyp | Durchschnittlicher Standby-Verbrauch in Watt |
|---|---|
| Spielekonsole (Bereitschaftsmodus) | 2 – 10 W |
| Kaffeemaschine mit Display | 1 – 3 W |
| Fernseher (Schnellstart aktiv) | 0,5 – 5 W |
| Soundbar | 1 – 4 W |
| PC-Monitor | 0,3 – 2 W |
| Mikrowelle mit Uhr | 2 – 5 W |
Besonders tückisch sind oft Gerätekombinationen im Wohnzimmer (TV, Soundbar, Konsole) oder in der Küche. Vergleichen Sie diese Werte mit dem Verbrauch aktiver Geräte, wie zum Beispiel dem Stromverbrauch Ihres Kühlschranks.
Praxistipps: So reduzieren Sie Standby-Kosten effizient
Sie müssen nicht auf jeden Komfort verzichten, um zu sparen. Effiziente Maßnahmen sind:
- Schaltbare Steckdosenleisten nutzen: Bündeln Sie Geräte, die oft gleichzeitig nicht gebraucht werden (z.B. TV-Anlage, PC-Arbeitsplatz), an einer Master-Slave- oder einfachen schaltbaren Steckdosenleiste. Ein Knopfdruck trennt alle Geräte sicher vom Netz.
- „Echten“ Ausschalter bevorzugen: Manche Geräte haben einen mechanischen Netzschalter an der Seite oder hinten. Nutzen Sie diesen statt der Fernbedienung.
- Schnellstart-Funktionen deaktivieren: Durchsuchen Sie die Einstellungen Ihres Fernsehers, Computers oder Ihrer Spielekonsole nach Optionen wie „Schnellstart“, „Instant-On“ oder „Standby mit Netzwerk“. Deaktivieren Sie diese.
- Smart Home Steckdosen einsetzen: Smarte Steckdosen können per Zeitschaltung oder App ferngesteuert werden. Wie Sie damit Smart Home Strom sparen, erfahren Sie in unserem separaten Ratgeber.
- Ladegeräte ziehen: Stecken Sie Ladegeräte für Smartphones, Laptops oder Elektrowerkzeuge nach Gebrauch aus der Steckdose.
Diese Maßnahmen ergänzen sich perfekt mit anderen Spartipps, wie zum Beispiel für die Stromkosten der Waschmaschine.
Wann sich ein kompletter Verzicht auf Standby lohnt
Nicht bei jedem Gerät ist ein totaler Netzbezug sinnvoll oder notwendig. Die folgende Tabelle hilft Ihnen, die jährlichen Kosten Ihres gesamten Standby-Verbrauchs einzuschätzen und zu bewerten, ob sich Gegenmaßnahmen lohnen.
| Gesamt-Standby-Leistung im Haushalt | Kosten pro Jahr (30 Cent/kWh) | Kosten pro Jahr (40 Cent/kWh) |
|---|---|---|
| 10 Watt (gering) | ca. 26 € | ca. 35 € |
| 20 Watt (durchschnittlich) | ca. 53 € | ca. 70 € |
| 50 Watt (hoch) | ca. 131 € | ca. 175 € |
| 100 Watt (sehr hoch) | ca. 263 € | ca. 350 € |
Wie Sie sehen, können die Kosten schnell in einen dreistelligen Bereich klettern. Ein Verzicht lohnt sich finanziell fast immer. Technische Bedenken, dass häufiges Ein- und Ausschalten Geräte schädigt, sind bei modernen Elektronikgeräten meist unbegründet. Anders kann es bei Geräten mit Festplatten oder speziellen Startzyklen sein. Für zentrale Geräte wie Router oder Heizungspumpen ist ein Dauerbetrieb oft notwendig.
Denken Sie ganzheitlich: Die Einsparung durch weniger Standby ist ein wichtiger Baustein, um Ihre Stromrechnung zu senken. Kombinieren Sie dies mit dem Kauf energiesparender Kühlschränke oder der energiesparenden Nutzung Ihres Trockners.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Standby-Verbrauch
Was versteht man genau unter Standby-Verbrauch?
Standby-Verbrauch ist der Strom, den ein Gerät im scheinbar ausgeschalteten Zustand zieht, um Funktionen wie Fernbedienungsempfang, interne Uhren, Displays oder Netzwerkverbindungen aufrechtzuerhalten. Das Gerät ist nicht vollständig vom Stromnetz getrennt.
Wie kann ich den Verbrauch ohne Messgerät abschätzen?
Eine grobe Abschätzung ist möglich, indem Sie prüfen, ob das Gerät nach dem „Ausschalten“ warm bleibt, ein Licht leuchtet oder ein Display aktiv ist. Auch ein brummendes Netzteil ist ein Indiz. Für verlässliche Werte ist ein Energiemessgerät jedoch unerlässlich.
Welche Geräte haben den höchsten Standby-Verbrauch?
Besonders hoch ist der Verbrauch oft bei alten Unterhaltungselektronik-Geräten, Spielekonsolen im Bereitschaftsmodus, Geräten mit eingebauten Netzteilen (z.B. Monitore) und Kombigeräten mit vielen Zusatzfunktionen (z.B. Multifunktionsdrucker).
Schadet häufiges Ein- und Ausschalten den Geräten?
Bei modernen Elektronikgeräten wie Fernsehern, Computern oder Audioanlagen ist dies in der Regel kein Problem. Bei Geräten mit mechanischen Festplatten oder speziellen Startvorgängen (z.B. manche Drucker) kann ein komplettes Aussalten den Verschleiß minimal erhöhen. Die finanziellen Einsparungen überwiegen hier aber deutlich.
Lohnt sich eine schaltbare Steckdosenleiste finanziell?
Ja, absolut. Eine einfache Steckdosenleiste mit Schalter kostet wenige Euro. Schaltet man damit nur einen Fernseher mit Soundbar (zusammen ca. 5-10 W Standby) ab, hat sie sich oft schon innerhalb eines Jahres amortisiert. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel Standby Kosten senken.
Was ist der Unterschied zwischen Standby und Schein-Aus?
Der Begriff „Standby“ bezeichnet einen definierten Bereitschaftszustand (z.B. für Fernstart). „Schein-Aus“ (oder „Aus-Zustand“) beschreibt einen Zustand, bei dem das Gerät keinerlei Funktion mehr bietet, aber dennoch Strom verbraucht – oft wegen eines schlecht konstruierten Netzteils oder einer eingeschalteten Master-Slave-Funktion. Beide sind Leerlaufverluste.
Quellen & weiterführende Links
- Verbraucherzentrale – Unabhängige Beratung zu Energiekosten und Geräten.
- Umweltbundesamt – Informationen zu Energieeffizienz und Umweltauswirkungen.
- Stiftung Warentest – Testberichte und Verbraucherinformationen zu Elektrogeräten.
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