
Viele Elektrogeräte in Ihrem Haushalt verbrauchen auch dann Strom, wenn sie scheinbar ausgeschaltet sind. Dieser sogenannte Standby-Verbrauch summiert sich im Laufe eines Jahres zu einer beachtlichen und oft vermeidbaren Kostenposition. Die gute Nachricht: Sie können diese heimlichen Stromfresser mit einfachen Mitteln entlarven. Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt Ihnen, wie Sie den Standby-Verbrauch Ihrer Geräte korrekt messen, interpretieren und letztlich reduzieren können.
Warum Sie den Standby-Verbrauch messen sollten
Der Standby-Betrieb, auch Schein-Aus oder Leerlaufverlust genannt, bezeichnet den Energieverbrauch eines Geräts, das seine Hauptfunktion nicht erfüllt, aber dennoch mit dem Stromnetz verbunden ist. Typische Beispiele sind Fernseher mit leuchtender Standby-LED, Ladegeräte in der Steckdose oder Drucker, die auf ein Startsignal warten. Die Kosten sind nicht zu unterschätzen. Ein durchschnittlicher Haushalt kann durch die konsequente Vermeidung von Standby-Verbräuchen mehrere Dutzend Euro pro Jahr sparen. Das Messen ist der erste Schritt zu einer systematischen Strategie zum Energiesparen.
Das benötigen Sie: Einfache Hilfsmittel für die Messung
Für eine erfolgreiche Messung benötigen Sie nur zwei Dinge:
- Ein Strommessgerät (Energiekostenmessgerät): Dies ist das wichtigste Werkzeug. Sie stecken es zwischen die Steckdose und das zu untersuchende Gerät. Gute Modelle zeigen den aktuellen Verbrauch in Watt (W) sowie die verbrauchte Energie in Kilowattstunden (kWh) über einen Zeitraum an. Einfache Geräte sind bereits für unter 20 Euro erhältlich.
- Einen Zettel und Stift oder eine digitale Notiz: Um Ihre Messwerte systematisch zu dokumentieren.
Vorbereitung: Sicherheit geht vor
Stellen Sie sicher, dass das Strommessgerät für die maximale Leistung des zu testenden Geräts ausgelegt ist (in der Regel bis 3.680 Watt). Prüfen Sie vor dem Einstecken, dass alle Kontakte sauber und trocken sind. Vermeiden Sie es, das Messgerät an überlasteten Mehrfachsteckdosen zu betreiben.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: So messen Sie korrekt
Folgen Sie dieser Reihenfolge, um zuverlässige Ergebnisse zu erhalten.
Schritt 1: Gerät identifizieren und vorbereiten
Wählen Sie ein Gerät aus, das Sie verdächtigen, im Standby Strom zu ziehen. Typische Kandidaten sind Unterhaltungselektronik, Bürogeräte oder Küchenhelfer. Schalten Sie das Gerät mit der Fernbedienung oder dem Hauptschalter in den scheinbar ausgeschalteten Zustand. Achten Sie auf leuchtende Lämpchen oder Displays.
Schritt 2: Messgerät anschließen und ablesen
Ziehen Sie den Stecker des Geräts aus der Steckdose. Stecken Sie nun das Strommessgerät in die Wandsteckdose und den Stecker des Geräts in die Buchse des Messgeräts. Das Gerät sollte nun wieder mit Strom versorgt sein und im Standby-Modus sein. Auf dem Display erscheint der aktuelle Leistungsverbrauch in Watt (W). Notieren Sie diesen Wert.
Wichtig: Manche Geräte haben einen „Eco“-Standby oder einen „Schnellstart“-Modus. Der Verbrauch kann je nach Modell und Einstellung stark variieren. Messen Sie im „normalen“ Standby-Zustand.
Schritt 3: Langzeitmessung für die Jahreskosten
Der Momentanwert in Watt allein sagt noch wenig über die tatsächlichen Kosten aus. Die meisten Messgeräte können den kumulierten Energieverbrauch in Kilowattstunden (kWh) über einen Zeitraum anzeigen. Lassen Sie das Messgerät für 24 Stunden angeschlossen und lesen Sie den kWh-Wert ab. Multiplizieren Sie diesen Tageswert mit 365, um den Jahresverbrauch zu schätzen. Noch genauer ist eine Messung über eine ganze Woche.
Schritt 4: Kosten berechnen
Um aus dem Jahresverbrauch in kWh die Kosten zu ermitteln, multiplizieren Sie diesen Wert mit Ihrem aktuellen Strompreis pro kWh (diesen finden Sie auf Ihrer Stromrechnung). Die Formel lautet: Jahreskosten (€) = Jahresverbrauch (kWh) × Strompreis (€/kWh).
Typische Standby-Verbräuche im Haushalt
Um Ihre Messwerte einordnen zu können, hier eine Übersicht über typische Verbrauchswerte gängiger Geräte im Standby-Modus. Beachten Sie, dass dies Richtwerte sind.
| Gerät | Typischer Standby-Verbrauch | Mögliche Jahreskosten* |
|---|---|---|
| Älterer Röhrenfernseher / Receiver | 5 – 15 Watt | 15 – 45 € |
| Moderner LED-Fernseher | 0,5 – 3 Watt | 1,50 – 9 € |
| Spielekonsole (Bereitschaftsmodus) | 1 – 5 Watt | 3 – 15 € |
| Drucker / Multifunktionsgerät | 2 – 8 Watt | 6 – 24 € |
| PC mit externem Monitor | 2 – 10 Watt | 6 – 30 € |
| Kaffeemaschine mit Display | 1 – 4 Watt | 3 – 12 € |
| Ladegerät (ohne angeschlossenes Gerät) | 0,1 – 0,5 Watt | 0,30 – 1,50 € |
*Berechnung basierend auf einem angenommenen Strompreis von 30 Cent/kWh. Die tatsächlichen Kosten hängen von Ihrem Tarif und der Standby-Dauer ab.
Die häufigsten Fehler beim Messen und wie Sie sie vermeiden
- Fehler 1: Zu kurze Messdauer. Ein kurzer Blick auf das Watt-Display reicht nicht. Für eine realistische Kostenprognose ist eine Langzeitmessung über mindestens 24 Stunden essenziell.
- Fehler 2: Netzwerkmodi übersehen. Viele moderne Geräte bleiben im Standby im WLAN aktiv, um auf Updates oder Sprachbefehle zu warten. Dieser „Netzwerk-Standby“ verbraucht oft mehr Strom. Prüfen Sie in den Einstellungen, ob Sie solche Funktionen deaktivieren können.
- Fehler 3: Gerätekombinationen vergessen. Messen Sie nicht nur Einzelgeräte, sondern auch typische Kombinationen wie „TV + Receiver + Soundbar“ an einer Mehrfachsteckdose. Die Summe der Einzelverbräuche ist entscheidend.
Was tun nach der Messung? Praktische Lösungen
Haben Sie die größten Stromfresser identifiziert, können Sie gezielt gegensteuern. Die einfachste und effektivste Methode sind schaltbare Steckdosenleisten. Schließen Sie Gerätegruppen daran an und schalten Sie die Leiste nach der Nutzung komplett stromlos. Achten Sie auf eine ausreichende Belastbarkeit. Eine fortschrittlichere Lösung sind Master-Slave-Steckdosen, die periphere Geräte automatisch abschalten, sobald das Hauptgerät ausgeschaltet wird.
FAQ: Häufige Fragen zum Messen des Standby-Verbrauchs
Wie genau sind günstige Strommessgeräte?
Für den Hausgebrauch sind preiswerte Modelle (ab ca. 15 Euro) völlig ausreichend. Ihre Genauigkeit liegt meist bei +/- 5%, was für die Abschätzung von Einsparpotenzialen ausreicht. Achten Sie darauf, dass das Gerät die Leistung in Watt und den Verbrauch in kWh anzeigen kann.
Verbraucht ein ausgeschaltetes Gerät mit Netzschalter wirklich keinen Strom?
Wenn das Gerät einen echten mechanischen Netzschalter hat, der den Stromkreis physisch unterbricht, ist der Verbrauch in der Regel null. Viele moderne Geräte besitzen jedoch nur einen elektronischen Soft-Touch-Schalter. In diesem Fall verbraucht das Gerät weiterhin minimal Strom.
Ist es schädlich für die Geräte, sie komplett vom Strom zu trennen?
Bei den meisten Geräten ist das unproblematisch. Ausnahmen können ältere Sat-Receiver oder einige Multifunktionsdrucker sein, die Strom für Updates oder Wartungszyklen benötigen. Prüfen Sie im Zweifel die Bedienungsanleitung. In der Regel überwiegt der Kostenvorteil.
Kann ich den Standby-Verbrauch auch ohne Messgerät erkennen?
Ein einfacher, aber ungenauer Test ist der „Wärme-Test“. Fassen Sie das Netzteil oder das Gerät nach längerer Standby-Zeit an. Ist es spürbar warm, fließt mit hoher Wahrscheinlichkeit Strom. Für eine quantitative Bewertung führt jedoch kein Weg an einem Messgerät vorbei.
Was ist der Unterschied zwischen Standby und Schein-Aus?
Die Begriffe werden oft synonym verwendet. Technisch bezeichnet „Standby“ einen Bereitschaftszustand, aus dem das Gerät schnell startklar ist. „Schein-Aus“ beschreibt einen Zustand, in dem das Gerät keine Funktion bereithält, aber dennoch mit dem Netz verbunden ist. Beide verursachen Leerlaufverluste.
Lohnt es sich, auch Ladegeräte zu messen?
Ja. Auch wenn ein einzelnes Ladegerät nur 0,1 bis 0,5 Watt zieht, summieren sich mehrere davon in einem Haushalt schnell. Stecken fünf oder sechs Ladegeräte permanent in der Steckdose, kommen über das Jahr durchaus mehrere Kilowattstunden zusammen. Eine schaltbare Steckdosenleiste ist eine einfache Lösung.
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