
Ich stand in meiner Küche, umgeben von Schubladen voller Küchenhelfer, und suchte verzweifelt nach dem Pürierstab. Alles war in Boxen sortiert, alles hatte einen Platz – und trotzdem fand ich ihn nicht. Mein perfektes Organisationssystem hatte mich im Stich gelassen. Es fühlte sich an, als würde ich gegen meine eigenen Regeln kämpfen, anstatt einfach nur ein Essen zuzubereiten.
Vielleicht kennst du das: Du verbringst mehr Zeit mit dem Sortieren, Suchen und Aufräumen als mit dem eigentlichen Kochen. Die Küche, die eigentlich ein Ort der Kreativität und Entspannung sein sollte, wird zur Quelle von Frust. Bei mir war dieser Punkt erreicht, als ich beschloss, einen radikal anderen Weg zu gehen. Nicht noch mehr organisieren, sondern ent-organisieren. Nicht mehr Dinge wegsortieren, sondern mich von ihnen befreien.
Die Idee war simpel: Behalte nur, was du wirklich liebst und regelmäßig benutzt. Alles andere darf gehen. Was mit einer einzigen überfüllten Schublade begann, veränderte schließlich meine ganze Einstellung zum Wohnen. Heute ist meine Küche nicht klinisch aufgeräumt, sondern funktional und freundlich. Sie unterstützt mich, statt mich einzuschränken.
Vom überfüllten Schrank zur klaren Linie: Meine Ent-Organisations-Reise
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Es fing nicht mit einem großen Masterplan an, sondern mit einer simplen Frage: ‚Wann habe ich das zuletzt benutzt?‘ Ich leerte die berüchtigte ‚Krimskrams-Schublade‘ komplett aus. Auf dem Küchentisch landeten Korkenzieher, Ausstecher, Ersatzbatterien und ein kaputter Flaschenöffner – über 60 Teile. Der Blick auf das Chaos war ernüchternd. Ich nutzte vielleicht zehn davon regelmäßig. Der Rest war nur visueller Lärm, der Platz wegnahm und mich bei jedem Öffnen stressen ließ.
Der erste, befreiende Schritt: Die Probephase
Ich packte alles, was ich in den letzten sechs Monaten nicht angerührt hatte, in eine große Kiste. Diese stellte ich für einen Monat in den Keller. Die Regel: Wenn ich etwas aus der Kiste brauche, darf es zurück in die Küche. Der Monat verging – ich öffnete die Kiste kein einziges Mal. Das war das klare Signal. Diese Dinge durften mein Leben verlassen. Einige verkaufte ich über Kleinanzeigen, den Rest spendete ich. Dieser kleine Erfolg gab mir den Mut, weiterzumachen.
Die große Geschirr-Enthüllung
Der Wendepunkt kam beim Geschirr. Eine Freundin wies mich lachend auf meine Sammlung von über 20 Tassen hin. ‚Brauchst du wirklich vier identische Salatschüsseln?‘, fragte sie. Die Antwort war ein klares Nein. Ich behielt nur meine absoluten Lieblingsteile, die ich täglich in der Hand habe. Der Effekt war sofort spürbar: Die Spülmaschine war schneller voll, aber auch schneller wieder leer. Weniger Geschirr bedeutete weniger Abwasch, weniger herumstehende Teller und eine viel übersichtlichere Spüle.
So findest du zurück zu einer befreiten Küche: Ein praktischer Leitfaden
Du musst nicht alles an einem Wochenende umkrempeln. Fang klein an, sonst überwältigt dich die Menge.
Schritt 1: In Zonen denken und handeln
Nimm dir pro Woche nur einen Bereich vor. Diese Woche ist die Gewürzschublade dran, nächste Woche der Tupperware-Schrank. So bleibst du fokussiert und siehst schnelle Erfolge.
Schritt 2: Die radikale Auslegeprobe
Leere den gewählten Bereich komplett aus. Alles kommt auf den Tisch oder die Arbeitsplatte. Erst im ausgebreiteten Zustand siehst du die Wahrheit: Dopplungen, kaputte Teile und Dinge, die du völlig vergessen hattest.
Schritt 3: Die zwei entscheidenden Fragen stellen
Nimm jedes Teil in die Hand und frage dich ehrlich:
1. Benutze ich das regelmäßig? (Regelmäßig heißt: mindestens einmal alle drei Monate)
2. Macht es mir Freude? (Ist es schön, funktioniert es einwandfrei?)
Wenn beide Antworten ‚Nein‘ lauten, kommt das Teil in eine von drei Kisten:
- Verkaufen/Verschenken: Für gut erhaltene, wertvolle Dinge.
- Spenden: Für alles, was noch brauchbar ist.
- Entsorgen: Für Kaputtes und Unbrauchbares.
Schritt 4: Intelligent und intuitiv zurückräumen
Jetzt kommt der schöne Teil. Räume nur das, was übrig bleibt, zurück – aber klüger als zuvor.
- Häufig genutzte Dinge kommen in die primäre Griffzone (Augenhöhe, vordere Schubladen).
- Selten genutzte Geräte (wie das Raclette-Set) wandern in die Oberschränke oder eine Abstellkammer.
- Sichtbare Ordnung schaffen: Nutze durchsichtige oder einheitliche Behälter für Vorräte. So siehst du sofort, was zur Neige geht.
Die unerwarteten Gewinne: Mehr als nur freier Platz
Die aufgeräumten Schränke waren nur der sichtbare Anfang. Die größten Vorteile spürte ich in meinem Alltag und meinem Kopf.
Mehr Zeit und weniger Stress
Ich gewann täglich 10–15 Minuten, die ich früher mit Suchen verbracht habe. Das summiert sich auf über eine Stunde pro Woche – Zeit für eine Tasse Tee in Ruhe. Morgens, wenn alle hetzen, ist die klare Ordnung ein echter Stresskiller.
Neue Kreativität am Herd
Mit weniger, aber hochwertigeren Zutaten im Blick und allen Geräten griffbereit, wurde ich experimentierfreudiger. Ich konzentriere mich jetzt auf das Wesentliche und genieße den Prozess.
Entscheidungsmüdigkeit ade
Früher kostete mich die Wahl zwischen 20 Tassen mental Energie. Jetzt habe ich drei Lieblingstassen. Eine banale, aber täglich entlastende Entscheidung weniger für mein Gehirn.
Wie du die neue Leichtigkeit bewahrst: Einfache Routinen
Eine ent-organisierte Küche bleibt nicht von alleine so. Mit zwei simplen Gewohnheiten verhinderst du, dass sich der Ballast wieder ansammelt.
Die ‚Eins rein, Eins raus‘-Regel
Ein neues Küchengerät, eine neue Tasse? Bevor es einen Platz bekommt, muss etwas Gleichwertiges oder ein anderes Teil die Küche verlassen. Das zwingt zu bewussten Käufen.
Der wöchentliche 5-Minuten-Check
Beim wöchentlichen Putzen nehme ich mir fünf Minuten extra, um einen Schrank oder eine Schublade zu öffnen. Stimmt die Ordnung noch? Ist etwas hereingerutscht, was hier nicht hingehört? Diese Mini-Korrektur verhindert, dass sich wieder Chaos aufbaut.
Häufige Fragen
Ist ‚Ent-Organisieren‘ nicht einfach nur ein schicker Begriff für ‚Aussortieren‘?
Es geht einen Schritt weiter. Beim klassischen Aussortieren entfernt man Kaputtes und Offensichtliches. ‚Ent-Organisieren‘ fragt grundsätzlicher: ‚Brauche ich dieses System überhaupt? Brauche ich diesen Gegenstand in meinem Leben?‘ Es ist eine Philosophie, die Prioritäten setzt und bewussten Raum für das schafft, was wirklich zählt – und nicht nur für das, was Platz hat.
Ich habe Angst, etwas wegzugeben, das ich später doch brauchen könnte. Was tun?
Die Probephase (oder ‚Quarantäne-Box‘) ist hier der Schlüssel. Packe die unsicheren Dinge für einen festgelegten Zeitraum (z.B. 3 Monate) weg. Wenn du in dieser Zeit nicht danach greifst, ist es sicher, sie gehen zu lassen. Oft merken wir dann, dass wir die Idee des Besitzes mehr schätzen als den Gegenstand selbst.
Meine Küche zu ent-organisieren war keine Putzaktion, sondern eine bewusste Entscheidung für mehr Leichtigkeit. Es ging nicht darum, perfekt auszusehen, sondern besser zu funktionieren und mir Freude zu bereiten. Weniger Dinge zu besitzen bedeutet nicht Verzicht, sondern Gewinn: Gewinn an Zeit, an Klarheit und an Ruhe. Die Küche ist kein Museum für Küchenhelfer mehr, sondern ein Werkzeug für mein tägliches Leben. Wenn du auch das Gefühl hast, von deinen eigenen Sachen erdrückt zu werden, probiere es aus. Fang mit einer Schublade an. Die Befreiung, die danach kommt, ist jeden kleinen Schritt wert.






